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Persönliche Fragen im Wahl-Thesentest:Piraten haben am wenigsten Probleme mit der roten Ampel

Soll man sich bei einer Entscheidung von Fakten leiten lassen, oder doch lieber auf das Bauchgefühl vertrauen? Bei dieser Frage herrscht seltene Einigkeit zwischen den Parteien. Grüne (67), CDU (67), CSU (67), Linke (66), SPD (65) und Piraten (64) weisen nahezu identische Werte auf - sie präferieren Fakten. Ihre leichte Zustimmung wird nur von Freien Wählern (73) und der FDP (80) etwas überboten. Eine ähnliche Übereinstimmung lässt sich auch bei folgendem Statement feststellen: "Meiner Ansicht nach ist es schlimmer, jemanden mit der Wahrheit zu verletzen, als ihn und seine Gefühle mit einer Lüge zu schützen." Der überwiegende Teil der Befragten steht hier eher auf Seiten der verletzenden Wahrheit. Grüne, CDU und Linke liegen hier jeweils bei 36 Punkten. CSU (34), FDP (32), SPD (32) und Freie Wähler (40) weichen nur unwesentlich ab. Die Piraten fallen mit etwa 23 Punkten ein wenig aus der Reihe.

Die Piraten haben am wenigsten Probleme mit einer roten Ampel

Interessanter als die Werte waren beim Statement "Ich gehe gelegentlich bei Rot über die Ampel, wenn nichts passieren kann" die Kommentare der Abgeordneten. Eine Parlamentarierin fragte rhetorisch "Soll das etwa eine Sünde sein?", einer schrieb: "Warum auch nicht (...) Die Ampel ist Hilfsmittel für mich, nicht ich Kasper der Ampel!", und ein anderer bekannte - obwohl gar nicht von der Frage abgedeckt - dass er auch als "Radl-Rambo" hin und wieder mal über eine rote Ampel fahre. Durch alle Parteien zog sich allerdings eine wesentliche Einschränkung: die Vorbildfunktion für Kinder. Mancher fühlte sich durch unsere eher unpolitische Frage sogar auf den Schlips getreten. "Hier wollen Sie durch die kalte Küche wieder ein bestimmtes Schema bedienen: Der Politiker, der auch schon mal in der Freizeit bei Rot über die Ampel geht, wenn kein Auto kommt, der wird es auch in seiner parlamentarischen Tätigkeit nicht so genau nehmen. Da müssen Sie sich bitte jemand anderen suchen, der darauf reinfällt, und Sie mit einer Antwort beglückt." Zum Glück haben sehr viele Abgeordnete dennoch geantwortet, die Ausfüllquote bei der Ampel-These lag bei 94 Prozent und damit nicht weit unter dem Durchschnitt. Die durchschnittlichen Zustimmungswerte aller Parteien: Piraten: 79; Freie Wähler: 75; Grüne: 66; Linke: 64; FDP: 60; SPD: 55; CDU: 51; CSU: 47.

Grüne zahlen gerne mehr für fair hergestellte Produkte

Fair hergestellte Lebensmittel und Konsumgüter kosten meist mehr als herkömmliche Produkte. Wie steht es um die Bereitschaft, sie auch für ein Vielfaches des Preises zu kaufen? Die Grünen wären dazu mit einem Mittelwert von 81 am ehesten bereit. Auch die Freien Wähler (75), die SPD (74) und die Linke (70) kommen auf hohe Werte. Bei CSU (60), CDU (55) und FDP (50) fällt die Bereitschaft geringer aus. Die Kommentare vieler Abgeordnete weisen darauf hin, dass die Zustimmung höher ausgefallen wäre, wäre der Teil des Statements "zahle gerne ein Vielfaches" durch "zahle gerne mehr" ersetzt worden.

CSU und FDP haben kein Problem mit Zinsen unter Freunden

"Wer seinen Freunden Geld leiht, darf keine Zinsen verlangen" - auch mit diesem parteipolitisch nicht zuzuordnenden Statement konfrontierten wir die Abgeordneten. Eher nicht, sagt die Linke (71). Grüne und SPD liegen mit 51 beziehungsweise 55 Punkten im unentschiedenen Bereich. Freie Wähler (38), Piraten (35), CDU (33) finden es in Ordnung, für einen Freundschaftskredit Geld zu verlangen. Am deutlichsten wiedersprechen die Abgeordneten von CSU und FDP der Prämisse, dass Zinsen unter Freunden verpöhnt sind - mit jeweils 26 Punkten.

Parteien raten bei der Wahlentscheidung vom Egoismus eher ab

Eine Grundfrage der politischen Moral stellen sich vor der Bundestagswahl auch zahlreiche Wähler: Soll ich eine Partei wählen, von der ich mir persönlich die meisten Vorteile verspreche? Oder soll ich meine Stimme eher einer Partei geben, die sich meiner Ansicht nach am stärksten für das Allgemeinwohl einsetzt? Die Grünen raten mit einem Mittelwert von 19 am ehesten davon ab, seine Entscheidung von persönlichen Vorteilen abhängig zu machen. Eher skeptisch sehen das auch SPD (28), Freie Wähler (33), CSU (32) und CDU (35). Die höchsten Werte erreichen Linke (43) und FDP (51). Sie sind damit aber auch noch deutlich von einer wirklichen Zustimmung entfernt. In ihren Kommentaren betonen vor allem Politiker von Union, SPD, Grünen und Linken die Bedeutung des Allgemeinwohls. Einige Abgeordnete setzten sich mit dem offen gehaltenen Begriff "persönlicher Vorteil" auseinander. Eine Abgeordnete schrieb zum Beispiel, ein gutes Gewissen könne man auch als persönlichen Gewinn sehen.