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Naher Osten:Omans Sultan stirbt nach halbem Jahrhundert Herrschaft

Sultan Kabus im Januar 2019 - kein Herrscher auf der arabischen Halbinsel hat länger regiert.

(Foto: AP)
  • In Oman gilt Staatstrauer: Sultan Kabus, der seit 1970 regierte, ist mit 79 Jahren verstorben.
  • Während seiner Alleinherrschaft modernisierte Kabus das Land und hielt es aus allen großen Krisen heraus.
  • Die Nachfolge auf dem Thron tritt sein Cousin an - auf ihn warten viele Herausforderungen.

Nach fast 50 Jahren Herrschaft ist am Freitag Omans Sultan Kabus verstorben. Am Samstagvormittag versammelten sich Tausende vor der Sultan-Kabus-Moschee in Maskat, wo die Totengebete gehalten wurden. Eine Fahrzeugkolonne brachte den Leichnam des Sultans zur Beisetzung in die Moschee. Seine Nachfolge tritt der bisherige Kulturminister Haitham bin Tarik al Said an, der Cousin des Verstorbenen. Der nationale Verteidigungsrat hatte in Anwesenheit von Mitgliedern der Herrscherfamilie einen Brief von Kabus mit dessem letztem Willen geöffnet. Am Vormittag legte der 65-jährige Haitham bin Tarik Al Said im Al-Bustan-Palast den Amtseid ab, bevor er half, den Sarg seines Vorgängers zu tragen.

In dem muslimisch geprägten Land im Südosten der Arabischen Halbinsel leben auf einer Fläche, die fast so groß ist wie Deutschland, nur knapp fünf Millionen Menschen. Die Familie Al Said regiert es seit dem 18. Jahrhundert, der Sultan selbst kam mit Hilfe der früheren Kolonialmacht Großbritannien auf den Thron. Als er sich am 23. Juli 1970 als 29-Jähriger unblutig an die Macht putschte und seinen reformfeindlichen Vater ablöste, galt das Land als arm und rückständig. Während Kabus' Herrschaft wurde die Infrastruktur modernisiert, die medizinische Versorgung und Schulbildung kostenlos. Zudem wurden Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn eingeführt. Erdöl hat Oman und seine Bewohner wohlhabend gemacht.

Kabus als Kind auf dem Schoß seines Vaters (undatierte Aufnahme).

(Foto: AFP)

Diese Stabilität machte Kabus zum unumstrittenen Alleinherrscher. Und das, obwohl er seinem Volk Freiheitsrechte verwehrte, für die in anderen Ländern Aufstände losbrechen. Die Medien im Sultanat sind gelenkt, politische Mitbestimmung gibt es praktisch nicht - auch wenn der Herrscher es verstand, auf die Bedürfnisse der verschiedenen Teile der Gesellschaft einzugehen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die eingeschränkte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. So berichtete Human Rights Watch von Haftstrafen für Facebook und Twitter-Nutzer, die angeblich Gott oder den Sultan beleidigt hätten. Doch in Oman blieb es auch während des Lauffeuers der arabischen Aufstände 2011 vergleichsweise ruhig. Der Herrscher erließ kleinere Reformen. Die Zeit der Umstürze zog unbeschadet an ihm vorbei.

Kabus baute das Land auch zu einem führenden Mittler der internationalen Diplomatie aus. Über viele internationale Konflikte wurde in und mit Oman verhandelt. So wurde die Basis für den Atomdeal mit Iran auch im Sultanat geschaffen. Voraussetzung dafür war, dass sich Oman einen Namen als "Schweiz des Nahen Ostens" gemacht hatte und als neutral gilt. "Das Sultanat hat eine gute Beziehung mit allen Ländern", sagte Außenminister Jusuf Bin Alawi dazu.

Kabus zeigte sich in den vergangenen Jahren kaum noch öffentlich und schickte meistens seine Minister. In der 2011 eröffneten prachtvollen schneeweißen Oper Maskats blieb ein Stuhl seit Jahren leer: der mit rotem Samt überzogene Opernthron des Sultans. Zeitweise musste Kabus sich in Garmisch-Partenkirchen behandeln lassen. In die bayerische Stadt reiste er gerne - und kam bis kurz vor seinem Tod immer zurück. Er litt Medienangaben zufolge an Krebs.

Doch der kinderlose Kabus hatte mit einem im Sultanat legendären Brief vorgesorgt, der nun geöffnet wurde. Darin stand der letzte Wille des "Vaters" - samt des Namens seines gewünschten Nachfolgers.

Oman und der neue Herrscher stehen vor Herausforderungen. Ähnlich wie Saudi-Arabien besteht der Staatshaushalt zum allergrößten Teil aus Ölgeld. Allerdings ist die Finanzlage angespannt und die Arbeitslosigkeit vergleichsweise hoch. Analysten befürchten teilweise, dass alte Stammesfehden wieder aufbrechen könnten.

Der frühere US-Präsident George W. Bush kondolierte der Herrscherfamilie. Sultan Kabus "war eine stabile Kraft im Nahen Osten und ein starker Verbündeter der USA", schrieb Bush. "Seine Majestät hatte eine Vision für einen modernen, wohlhabenden und friedlichen Oman, und er verwirklichte diese Vision."

© SZ.de/dpa/Reuters/AP/ihe/mkoh
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