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Schweden:Mord an Olof Palme nach 34 Jahren vor der Aufklärung

Der ehemalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme

Ein Foto des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme an einem Absperrgitter am Tatort (Archivbild vom 1. März 1986).

(Foto: Hamilton/dpa)

Der Stockholmer Staatsanwalt verdächtigt einen Mann namens Stig Engström, der allerdings bereits verstorben ist. Die Ermordung des damaligen Regierungschefs beschäftigt Schweden seit 1986.

Im Fall Olof Palme benennt die schwedische Staatsanwaltschaft einen neuen Verdächtigen: Es ist Stig Engström, der bereits früher als "Skandia-Mann" in den Ermittlungen auftauchte. Damit gibt es neue Hoffnung, dass der Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten nach mehr als 34 Jahren doch noch aufgeklärt wird. Auch Palmes Sohn Marten bekräftigte im schwedischen Radio diese Überzeugung: "Ich glaube auch, dass Engström der Täter war."

Wie Staatsanwalt Krister Petersson während einer Online-Pressekonferenz gemeinsam mit dem Fahndungsleiter Hans Melander verkündete, würden die neuen Erkenntnisse der Ermittler für eine Anklage ausreichen. Da Engström bereits verstorben ist, kann er jedoch nicht angeklagt werden.

Über eine mögliche Täterschaft Engströms war in der schwedischen Presse in den vergangenen Jahren viel spekuliert worden. Bereits kurz nach dem Mord war er als Verdächtiger aufgetaucht, weil er am Tatort gesehen wurde. Er bot sich der Polizei dann aber als Zeuge an, wurde mehrfach verhört und erzählte, er habe dem verletzten Palme helfen wollen. Engström gab sogar Interviews im Fernsehen, wo er über die Mordnacht und seinen angeblichen Rettungsversuch für den Ministerpräsidenten berichtete.

Zuletzt gab es aber immer mehr Zweifel an dieser Darstellung, da Engström seine Geschichte mehrfach verändert hatte und seine Aussagen außerdem nicht mit jenen anderer Zeugen übereinstimmten. Diese Widersprüche waren Kern der Beweisführung, die Staatsanwalt Petersson am Mittwoch präsentierte. Engström selbst konnte allerdings nicht mehr befragt werden, da er bereits im Jahr 2000 verstarb.

Engström arbeitete beim Versicherungsunternehmen Skandia als Grafikdesigner - daher der Name Skandia-Mann. Sein Büro befand sich am Stockholmer Sveavägen, gleich in der Nähe des Ortes, an dem Olof Palme im Februar 1986 niedergeschossen wurde. Fahndungsleiter Melander zufolge war Engström ein Waffennarr und hatte sich mehrfach feindlich über Ministerpräsident Palme geäußert.

Für die Schweden sind die tödlichen Schüsse auf den Ministerpräsidenten im Jahr 1986 in Stockholm ein nationales Trauma. Der Fall hat seitdem immer wieder für Schlagzeilen und Spekulationen gesorgt. Journalisten, Historiker und Hobby-Detektive entwickelten immer wieder neue Theorien zum Tathergang. Iran, die PKK, das südafrikanische Apartheidsregime, der KGB und Rechtsradikale innerhalb der schwedischen Polizei wurden dabei ebenso verdächtigt wie verschiedene Einzeltäter.

In der Stockholmer Polizei gab es seit 34 Jahren einer Sondereinheit, die sich mit dem Fall befasste. 1986 wurde schon einmal ein Mann namens Christer Pettersson des Morde angeklagt, aber in höchster Instanz freigesprochen. Im Laufe der Zeit wurden etwa 10 000 Personen im Zusammenhang mit dem Fall verhört. Die Akten dieser größten Ermittlung, die die schwedische Polizei je unternommen hat, wurden vor einiger Zeit digitalisiert. Staatswanwalt Petersson hatte im Vorfeld der Pressekonferenz erklärt, dieser Umstand habe dazu beigetragen, das bisherige Annahmen hinterfragt werden konnten.

Palme war am Abend des 28. Februars 1986 um kurz vor Mitternacht auf dem Rückweg aus einem Stockholmer Kino auf offener Straße von einem Mann von hinten erschossen worden. Kurz darauf wurde er im Krankenhaus für tot erklärt. Der Sozialdemokrat war zu dem Zeitpunkt seit knapp dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident gewesen, nachdem er dieses Amt bereits von 1969 bis 1976 innegehabt hatte. Palmes Frau Lisbet, die mit ihm im Kino gewesen war, erlitt einen Streifschuss und überlebte die Tat leicht verletzt.

© SZ.de/dpa/mcs/ghe
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