Wulff unter Druck Sprecher machte Urlaub in Finca von Partyveranstalter

Gerade hat sich Christian Wulff für die Kreditaffäre entschuldigt, schon droht neues Ungemach: Olaf Glaeseker, der geschasste Sprecher des Bundespräsidenten, machte kostenlose Urlaube - finanziert von Manfred Schmidt. Der Partyveranstalter war gleichzeitig einer der großen Profiteure unter Ministerpräsident Wulff.

Von Ralf Wiegand

Donnerstag schien es so zu sein, als hätte sich Bundespräsident Christian Wulff von seinem Sprecher Olaf Glaeseker getrennt, weil der ihn in der Kreditaffäre nicht ausreichend vor Angriffen der Medien hatte schützen können. Womöglich aber musste sich Wulff vor Glaeseker selbst schützen: Der langjährige Wegbegleiter soll laut einem Bericht des Magazins Stern in seiner Zeit als Regierungssprecher von Niedersachsen kostenlose Urlaube in verschiedenen Anwesen des Partyveranstalters Manfred Schmidt gemacht haben. Das wäre in der Tat eine Affäre, die auch Schloss Bellevue erneut erschüttern könnte.

Bundespräsident Christian Wulff mit Ehefrau Bettina und seinem Vertrautem Olaf Glaeseker in der omanischen Haupstadt Maskat am 10. Dezember diesen Jahres.

(Foto: dpa)

Manfred Schmidt gilt als Nummer eins unter Deutschlands Partymachern, ein geheimnisvoller Mann mit besten Drähten. Mehr als 20 000 Kontakte sollen in seinen Adressbüchern stehen, er hat die Handynummer von jedem, der irgendwie wichtig sein könnte. Darunter sind natürlich auch diejenigen, die wichtige Türen öffnen können.

Dazu gehörte in Hannover zweifellos Olaf Glaeseker, der sich vom ehemaligen Sportredakteur in Oldenburg über einen Korrespondentenjob in der Landeshauptstadt Hannover bis zum Staatssekretär hochgearbeitet hatte: Als solcher diente er dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) als Regierungssprecher. Wer von Wulff etwas wollte, musste an Olaf Glaeseker vorbei.

Und Schmidt wollte etwas: Von 2007 bis 2009 veranstaltete er den "Nord-Süd-Dialog", eine Art Freundschaftsfeier zwischen den Ländern Niedersachsen und Baden-Württemberg. Um Sponsoren anzuwerben, brauchte er die Politstars als Zugpferde. Prominenz aus Politik und Wirtschaft und Unterhaltung kam unter Schmidts Regie mal in Stuttgart, mal in Hannover zusammen.

Als Schirmherren der Partys ("Zwei Länder - ein Abend") fungierten die Ministerpräsidenten Günther Oettinger und Wulff. Als Sponsoren gewann Schmidt für die Feier 2009 in einem Terminal des Airports Hannover alle, die im System Hannover von Bedeutung sind: Den AWD, einst von Wulff-Freund Carsten Maschmeyer gegründet, die Fluggesellschaft Air Berlin, mit Wulff durch die Upgrade-Affäre verbunden, Volkswagen, wo Wulff im Aufsichtsrat saß oder auch die Nord-LB, die Bank des Landes Niedersachsen.

Der Nord-Süd-Dialog, von Wulffs Nachfolger David McAllister (CDU), nicht fortgesetzt, war schon 2010 Aufreger im niedersächsischen Landtag. Die SPD hatte damals gefragt, ob es sich um eine private Veranstaltung handele oder das Land an der Finanzierung beteiligt sei. Sie mäkelte, die Treffen schienen nur dazu zu dienen, damit sich "A- und B-Prominente mit dem Ministerpräsidenten ablichten" lassen könnten. Für die Landesregierung antwortete der damalige Leiter der Staatskanzlei, Lothar Hagebölling - heute Chef des Bundespräsidialamtes. Veranstalter sei allein die Manfred Schmidt Media S. L, das Land beteilige sich in keiner Weise.

Vor diesem Hintergrund wäre es in der Tat brisant, sollte der damalige Wulff-Einflüsterer Olaf Glaeseker, der auf eine Anfrage der SZ am Freitag nicht reagierte, mit seiner Familie (und laut Stern in Begleitung der geschiedenen ersten Frau Wulffs) unter anderem kostenlos eine Finca von Schmidt in Spanien genutzt haben dürfen - genau in den Jahren des Nord-Süd-Dialogs. Half er als Gegenleistung aus der Staatskanzlei heraus beim Anwerben von Sponsoren und damit Schmidt, Gewinn zu machen?

Schmidts guter Kontakt zum Wulff-Stab hielt jedenfalls an. Am Abend der Wahl Wulffs zum Bundespräsidenten richtete er in der "Residenz", einem Penthouse mit Blick aufs Brandenburger Tor, eine Siegesfeier aus - prominent besetzt.