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Österreich:Umarmung in Wien

Sportminister und Vizekanzler Strache redet mit Vertretern der Liga.

(Foto: Ronald Zak/AP)

Der Publizist Henryk M. Broder besucht die FPÖ - es geht um "islamischen Antisemitismus". Parteichef Strache hatte in den Wiener Kursalon geladen, dort wird heftig diskutiert.

Von Peter Münch

Die Auseinandersetzung mit dem Islam gehört bei der FPÖ seit jeher zu den beliebtesten Kampfsportarten. Vielleicht liegt darin auch der Grund, dass der zum Sportminister aufgestiegene Parteichef Heinz-Christian Strache dieses Thema nun auch regierungsamtlich weiterverfolgt. "Vizekanzler" sowie "Bundesministerium Öffentlicher Dienst und Sport" steht auf der Bühnenwand hinter ihm, als Strache sich im brechend vollen Wiener Kursalon, umringt von handverlesenen Diskutanten, einem brisanten Sujet widmet: Es geht um den "islamischen Antisemitismus" und dessen Bekämpfung.

Das Thema wird europaweit breit diskutiert, das Problem ist belegt durch Studien und beklemmend viele Vorfälle. Für die FPÖ allerdings ist zumindest ein Teil dieser Debatte eher noch Neuland: Zwar punktet sie seit Jahren mit Wahlkampfslogans wie "Daham statt Islam", fällt aber andererseits selbst immer noch auf verschiedenen Ebenen der Partei durch antisemitische Entgleisungen auf. Dies ist auch der Grund, warum die FPÖ-Minister bis heute von Israel ebenso wie von der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich boykottiert werden.

Weniger Berührungsängste zeigt da der jüdische Publizist Henryk M. Broder, der jüngst auch schon in Deutschland bei der AfD zu Gast war, wo er sich von Alice Weidel umarmen ließ, und das nicht nur metaphorisch, sondern für ein Foto. In Wien hat er sich nun zur Linken Straches auf dem Podium niedergelassen. Dass ihm dabei nicht das Selbstbewusstsein abhandengekommen ist, zeigt er mit der Eingangsbemerkung: "Wir haben 700 Besucher heute, und ich glaube, davon sind 690 gekommen, um mich zu hören." In den Reihen unten fragen zwar manche flüsternd, wer denn der Herr da oben mit dem niedlichen Hund auf dem T-Shirt sei. Wahr daran aber ist, dass ihm besondere Aufmerksamkeit zuteil wird, weil er der FPÖ den Antisemitismus der anderen bestätigen darf. "Der Treibriemen des heutigen Antisemitismus kommt leider von unseren muslimischen Verwandten", sagt er. "Ich bedaure das sehr, aber es ist die Wahrheit."

Zur Rechten Straches sitzt der Politikwissenschaftler Michael Ley, der an diesem Abend sein neues Buch zum Thema vorstellt mit dem Titel: "Tötet sie, wo ihr sie trefft." Ley, der auch schon eine Nähe zu den rechtsextremen Identitären gezeigt hat, belegt darin den Judenhass der Muslime unter anderem mit Koranzitaten - und muss sich auf dem Podium von Birol Kilic, dem Obmann der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, vorwerfen lassen, diese Zitate verfälscht und verkürzt zu haben, um damit "den Hass zu schüren".

Kilic plädiert recht einsam für Differenzierungen, doch Ley will sich nicht damit aufhalten, zwischen einem radikalen und einem moderaten Islam zu unterscheiden. Unwidersprochen scheut er sich auch nicht vor historischen Parallelen. "Der politische Islam weist einen ähnlichen Antisemitismus auf wie die Nationalsozialisten", warnt er. "Europa steht eine Islamisierung und eine Endlösung des Judentums bevor."

Das Schlusswort hat dann Vizekanzler Strache, der nach all dem Gesagten forsch ein "Verbot des politischen Islam" fordert. Dann löst sich die Runde auf - doch erst noch dürfen auch Strache und Broder sich umarmen.

© SZ vom 15.02.2019

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