Österreich:Kärnten ist der Wahnsinn

Österreich: Peter Kaiser (SPÖ) ist seit fast einem Jahrzehnt Landeshauptmann von Kärnten, hier beim Wahlkampfauftakt im Januar 2023 mit der Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner.

Peter Kaiser (SPÖ) ist seit fast einem Jahrzehnt Landeshauptmann von Kärnten, hier beim Wahlkampfauftakt im Januar 2023 mit der Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner.

(Foto: Martin Juen/IMAGO/SEPA.Media)

Demnächst wird im südlichsten Bundesland Österreichs gewählt, einst die Hochburg von Jörg Haider. Kann die FPÖ ihren aktuellen Höhenflug fortsetzen - oder bleibt SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser unangefochten?

Von Cathrin Kahlweit

Man kann davon ausgehen, dass Peter Kaiser, der Kärntner Landeshauptmann, kein Depp, sondern ein Vollprofi ist. Er ist Doktor der Philosophie und damit, was das Streben nach Erkenntnis und Sinn angeht, akademisch weitergekommen als der Philosophie-Student Herbert Kickl von der FPÖ, der sein Studium nicht abschloss. Kaiser macht den Job als Landeshauptmann seit fast einem Jahrzehnt und ist nie durch Querulantentum aufgefallen.

Wenn seine Bemerkung, er könne sich für die Sozialdemokratie eine breit aufgestellte Spitze vorstellen und "träume von einem Team", dessen "beste Köpfe" in die nächste Nationalratswahl gingen, als Vorschlag einer Doppelspitze interpretiert wird - dann ist da vermutlich der Wunsch der Interpreten der Vater des Gedankens. Das soll keine Kollegenschelte sein; es ist nachvollziehbar, dass eine schwelende Debatte über die Parteiführung in der SPÖ, die nicht wegzudiskutieren ist, die Schlagzeilen gespeist hat. Aber es ist auch klar, dass da einige Sätze in eine Richtung interpretiert wurden.

Pamela Rendi-Wagner dürfte, so oder so, not amused gewesen sein; dass Hans Peter Doskozil die mediale Erregung nicht nur ärgerlich fand, darf ebenfalls vermutet werden. Es ist halt immer so, dass Führungsdebatten in schwächelnden Parteien gern von innen und von außen zugleich befeuert werden. Dafür, dass Rendi-Wagner die Partei in einer Zeit übernommen hat, als der Heilsbringer Sebastian Kurz der gesamten Konkurrenz das Wasser abgegraben hat, gebührt ihr Respekt. Dass sie die Genossinnen und vor allem die Genossen nie von ihren Fähigkeiten überzeugen konnte - und bis heute nicht kann, spricht wiederum dafür, dass sie, allen Beteuerungen zum Trotz, die Partei 2024 nicht allein oder gar nicht mehr in die Wahl führen wird. Eine Doppelspitze ist dabei die unwahrscheinlichste Lösung.

Zurück zu Peter Kaiser und Kärnten. Auch hier will die FPÖ das Kunststück aus dem niederösterreichischen Wahlzirkus wiederholen und stark zulegen; bisher sagen die Umfragen für die Landtagswahl Anfang März aber keinen Kantersieg der Freiheitlichen voraus. Die großen Zeiten unter Jörg Haider, als die FPÖ auf 42 Prozent kam, oder die Seligsprechungswahl für Haider nach dessen Tod, als Gerhard Dörfler für das BZÖ sogar knapp 45 Prozent holte, sind lange vorbei. Jetzt kandidiert hier der Villacher Bautechniker Erwin Angerer, kein Radikalinski, kein extremer Rechtsausleger. Von den fremdenfeindlichen Ausfällen eines Gottfried Waldhäusl hat er sich vorsichtig distanziert, eine Zusammenarbeit mit der SPÖ schließt er nicht aus.

Wenn Angerer sich von Herbert Kickl und der Gier nach dem großen Erfolg nicht zu sehr treiben lässt, könnte der Wahlkampf in Kärnten erfreulich unaufgeregt - und Peter Kaiser als Einzelspitze Landeshauptmann bleiben.

Diese Kolumne erscheint auch im Österreich-Newsletter, der die Berichterstattung zu Österreich in der SZ bündelt. Gleich kostenlos anmelden.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusÖsterreich
:Sozialismus in einer Hand

Hans Peter Doskozil regiert mit absoluter Mehrheit im Burgenland, wo er einen Kurs der Verstaatlichung fährt. Der SPÖ-Politiker würde auch gerne den Vorsitz seiner orientierungslosen Bundespartei übernehmen. Doch er zögert.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: