Österreich Hitlers Haus

Es ist ein Fehler, dass Braunau vor der Vergangenheit flieht.

Von Cathrin Kahlweit

Der österreichische Innenminister, ein forscher Typ, hat sich wohl verplaudert, als er einen Abriss des Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau ankündigte. Nun heißt es, seine Äußerung sei eine semantisch allzu flotte Interpretation des Experten-Rates gewesen, das Haus bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, wozu drastische Umbauten gehören. Einig sind sich die Fachleute in zwei Fragen: In Braunau soll keine Baulücke entstehen, auf der Neonazis am 20. April jedes Jahres Gedenkfeiern abhalten würden. Aber es soll auch keine Gedenk- oder Begegnungsstätte geben.

Letzteres ist ein Fehler. Ja, Hitler hat dort, wo er zur Welt kam, nur kurz gelebt, und Braunau ist des Stigmas müde, auf ewig als Hitler-Stadt in den Geschichtsbüchern zu stehen. Aber das pragmatische Argument, dass es wahrlich genug andere Orte und Gelegenheiten in Österreich gebe, sich mit dem Nazi-Terror auseinanderzusetzen, trifft nicht den Kern.

Allein die Tatsache, dass sich der Streit um die Nutzung des Hauses schon Jahre hinzieht, zeigt, dass man Vergessen nicht verordnen kann. Braunau will seine Ruhe? Die wird es nicht bekommen, dazu sind der Verbrecher Hitler und seine Verbrechen zu monströs. Mutig und zukunftsgewandt wäre eine Begegnungsstätte, ein Jugendforum, ein Forschungsinstitut. Ein Zeichen jedenfalls, das dem Gedenkstein vor dem Haus Rechnung trägt: Nie wieder Faschismus.