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NSU-Prozess:Täterbeschreibung passt zu Mundlos und Böhnhardt

Die Anklage geht davon aus, dass die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Räuber waren. Die Beute wurde später in dem Wohnmobil gefunden, in dem sich die beiden Neonazis erschossen, nachdem die Polizei sie entdeckt hatte. Wegen der Masken konnten die Bankangestellten keine Gesichter erkennen. Beide Täter seien relativ groß, schlank und sportlich gewesen, sagt Stefan C. Die Beschreibung passt zu Mundlos und Böhnhardt.

Stefan C. arbeitet immer noch in einer Bank, aber in einer anderen Filiale. Wie es ihm gehe, fragt der Richter. "Alles in Ordnung", sagt der Zeuge betont gelassen. Und wie ging es ihm in der Situation des Überfalls? "Ganz angenehm war es natürlich nicht. Ich hab schon gedacht, ich bin im falschen Film."

Dann tritt Nadine W. als Zeugin auf, die ebenfalls in der Sparkasse gearbeitet hat. Sie hat den Überfall nicht so gut weggesteckt. Mit ihren Händen hält sich die 35-Jährige am Zeugenstuhl fest und sagt, der Überfall habe nur ein paar Minuten gedauert, "aber gefühlt viel länger - wie eine Stunde". Nachdem sie den Tresor geöffnet hatte, blieb Nadine W. verängstigt im Keller, bis alles vorbei war.

Eingesteckte Strümpfe

Zum Aussehen der Täter kann sie noch berichten, dass einer seltsam gekleidet war: "Die Hose sah unmöglich aus - so in die Strümpfe reingesteckt! Das hätte ich ihm auch am liebsten gesagt." Im Gerichtssaal lachen einige. Die Zeugin kämpft gegen ihr Trauma an.

Eine Erklärung für die eingesteckten Strümpfe könnte darin liegen, dass die Terroristen mit Fahrrädern zum Tatort gefahren sind. Die Polizei fand im Wohnmobil zwei Räder. Die Kombination von Rädern und Wohnmobilen war eine Masche des NSU.

Der Richter fragt Nadine W. nach den psychischen Folgen. Sie sagt: "Es war sehr schwierig, auch im Nachhinein noch." Sie habe nicht mehr in der Bank arbeiten können, habe sich eine neue Arbeit gesucht, habe ihren Beruf aufgegeben. Nun muss der Richter kurz unterbrechen. Die Zeugin kann nicht mehr. Sie muss hinaus, mit einem Taschentuch.

© Süddeutsche.de/gal
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