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Nordkorea:Nukleare Abrüstung ist vom Tisch

Das Land hat nach eigenen Angaben eine neue Waffentechnik erprobt.

Die Hoffnung auf ein atomwaffenfreies Nordkorea schwindet zusehends. Ein hoher Regierungsvertreter des kommunistischen Regimes in Pjöngjang erklärte, das Thema stünde in den Gesprächen mit den USA nicht mehr zur Debatte. Wörtlich sagte Nordkoreas UN-Botschafter Kim Song: "Nukleare Abrüstung ist bereits vom Verhandlungstisch." Außerdem meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA einen neuen Waffentest, "der einen wichtigen Effekt" für die strategische Ausrichtung Nordkoreas habe.

Es hieß, der Test habe am Samstagnachmittag auf dem Satelliten-Startplatz Sohae stattgefunden. Sohae gehört zum Atomtestgelände Tongchang-ri, das Nordkorea nach ersten Verhandlungen mit den USA zum Teil abbaute. Laut der nordkoreanischen Akademie für Verteidigungswissenschaft sei der Test erfolgreich gewesen. Was für eine Waffe erprobt wurde, ist nicht bekannt gegeben worden. Es könnte sich um den Feststoffantrieb für eine ballistische Langstreckenrakete gehandelt haben. Das vermutet der Experte Kim Dong-yub vom südkoreanischen Institut für Fernost-Studien gegenüber der Agentur AP. Ein Feststofftriebwerk erhöht die Einsatzfähigkeit einer Rakete.

Das Manöver verstärkt das Gefühl der Unsicherheit, vor allem in Südkorea. Wie die Staatskanzlei in Seoul und das Weiße Haus in Washington übereinstimmend berichteten, hatten Südkoreas Präsident Moon Jae-in und US-Präsident Donald Trump schon vor der jüngsten KCNA-Aussendung die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel besprochen. Dabei stimmten Moon und Trump überein, dass die Situation "ernst" sei.

Nordkoreas Atomwaffen gegen westliche Sanktionen - darüber haben Amerikaner und Nordkoreaner seit 2018 mehrmals verhandelt. Aber Nordkorea gehen die US-Zugeständnisse nicht weit genug. Die jüngsten Gespräche waren erfolglos. Und nach den vorerst letzten amerikanisch-nordkoreanischen Treffen im Oktober in Stockholm scheint sich das Klima immer weiter zu verschlechtern.

Nordkorea führt weiter seine Waffentests aus. Gleichzeitig fordert Staatschef Kim Jong-un von den Amerikanern bis Ende dieses Jahres ein neues Angebot, sonst werde er "einen neuen Weg" einschlagen; Experten befürchten, er könnte zum ersten Mal seit 2017 wieder Atom- und Langstreckentests veranlassen. Trump hat seinerseits die Ansprache verschärft. Zuletzt bezeichnete er Kim Jong-un als "Raketenmann" - das hatte er seit 2017 nicht mehr getan. Außerdem sagte Trump, er behalte sich militärische Schritte vor.

Auch der UN-Sicherheitsrat kritisierte die nordkoreanischen Waffentests. Diese Einwände wiederum waren für Nordkoreas UN-Botschafter Song der Anlass seiner jüngsten Erklärung. Darin sagte Song auch: "Der vermeintlich fortgesetzte und substanzielle Dialog, der von den Vereinigten Staaten beansprucht wird, ist nur ein Trick, um Zeit zu gewinnen und den Dialog zwischen der Volksrepublik Korea und den USA für die innenpolitische Agenda auszunutzen."