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Neubewertung des Kundus-Angriffs:Guttenbergs Kehrtwende

Guttenbergs Auftritt im Bundestag war bemerkenswert. Doch noch steht der Beweis aus, dass er nicht nur sein Amt retten will - und deshalb der Öffentlichkeit gibt, was sie erwartet.

Am Auftritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war alles überraschend: der Zeitpunkt in der abendlichen Debatte über die Verlängerung der Afghanistan-Mandate; die Schnelligkeit, mit der Guttenberg binnen weniger Tage zu seinem neuen Urteil über den Bombenangriff auf zwei Tanklaster gekommen ist; vor allem aber die dramatische Kehrtwende des Ministers.

Verteidigungsminister Guttenberg nutzte die Debatte im Bundestag überraschend für ein Eingeständnis.

(Foto: Foto: AP)

Aus einem Einsatz, den er vor vier Wochen noch "militärisch angemessen" nannte, ist ein "militärisch nicht angemessener" Einsatz geworden. Das ist das glatte Gegenteil seiner eigenen Bewertung von Anfang November.

Guttenberg hat seine damalige Einlassung bedauert. Doch selbst wenn man dem Minister Mut attestieren muss, dass er sich selbst jetzt im entscheidenden Punkt zu 100 Prozent korrigiert, so bleiben auch viele Fragen offen.

Geklärt werden muss, welche neuen Informationen der Minister erhalten hat, die ihn so eklatant umzustimmen vermochten. Geklärt werden muss, was aus einem richtigen einen falschen Angriff gemacht hat.

Die wichtigste Frage aber lautet: Hätte Guttenberg zu diesem Urteil nicht schon aufgrund des Nato-Berichts kommen müssen? Einige Erkenntnisse, die er im Einzelnen nicht kannte, sind in diesen Bericht eingeflossen. Anders gesagt: Hat der Minister bei der ersten Lektüre nicht richtig gelesen, zum Schutz seiner Soldaten manches überlesen, quasi als Einstiegsgeschenk des neuen Ministers an die Truppe?

Guttenbergs Auftritt war bemerkenswert. Doch der Beweis steht noch aus, dass der Minister, der bislang als guter Verkäufer seiner selbst aufgefallen ist, nicht nur versucht, zur Rettung seines Amtes der Öffentlichkeit zu geben, was sie erwartet.