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Nach Sturz von Gaddafi:Dutzende Tote bei Stammeskämpfen in Libyen

Gaddafi ist gestürzt, doch Rivalitäten unterschiedlicher Stämme lassen Libyen nicht zur Ruhe kommen: Bei Gefechten in der Wüstenstadt Sebha sind mehr als 35 Menschen getötet worden. Ein Militäroberst bezeichnete die Lage als "dramatisch". Ein schwarzafrikanischer Stammesanführer wirft dagegen der Regierung einen Plan zur "ethnischen Säuberung" vor.

Bei Gefechten zwischen Angehörigen arabischer und afrikanischer Stämme in der libyschen Wüstenstadt Sebha sind mehr als 37 Menschen ums Leben gekommen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira ging am Dienstagabend von 37 Toten und 120 Verletzten aus. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sprach sogar von 50 Toten. Zudem sollen bis zu 160 Menschen verletzt worden sein.

Augenzeugen und Vertreter der lokalen Revolutionsräte erklärten, nach einem Autodiebstahl sei am Montag ein Konflikt zwischen Angehörigen des Stammes der Tubu sowie zwei arabischen Stämmen entbrannt. Nach einem gescheiterten Schlichtungsversuch seien die Kämpfe wieder aufgeflammt.

Am Mittwochmorgen hieß es, Verbände von "Revolutionären" aus anderen Städten hätten sich inzwischen auf den Weg in die rund 650 Kilometer südlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Oasenstadt gemacht. Der für die nationale Sicherheit in Sebha zuständige Oberst Mohammed Bussif erklärte, die Lage in der Stadt sei "dramatisch".

Für die Opferzahlen sollen allerdings nur die Toten der arabischen Stämme aus Sebha berücksichtigt worden sein. Der Anführer der schwarzafrikanischen Tubu, Issa Abdelmadschid Mansur, sprach von 40 Toten in seinem Stamm. Mansur warf den libyschen Behörden vor, Flugzeuge und Panzer gegen die Tubu einzusetzen. Er sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe einen Plan zur "ethnischen Säuberung" gegen seinen Stamm.

Die tödlichen Zusammenstöße zwischen den Stämmen verdeutlichen die fragile Sicherheitslage in Libyen nach dem Ende des Gaddafi-Regimes. Die neue Zentralregierung konnte bislang ihren Machtanspruch nicht flächendeckend durchsetzen und große Teile des Landes werden von zerstrittenen Stämmen oder Milizen kontrolliert.

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