Nach tödlichen Fan-Krawallen in Ägypten "Treffen der Vergeltung"

Die Ausschreitungen begannen unmittelbar, nachdem das Spiel zwischen den Teams Al-Masry und Al-Ahly bei einem Stand von 3:1 abgepfiffen worden war. Zuschauer stürmten auf den Platz und machten Jagd auf Spieler des Kairoer Klubs Al-Ahly. Viele Menschen wurden totgetrampelt oder erdrückt.

Laut Gesundheitsministerium wurden mindestens 1000 Menschen verletzt. Etwa 150 waren in der Nacht zum Donnerstag in kritischem Zustand. Der Sender al-Arabija sprach am späten Abend von 77 Toten. Andere Medien gaben die Zahl der Opfer mit 74 an, am Donnerstag wurde die Zahl der Toten von offizieller Seite auf 71 Menschen korrigiert. Das Gesundheitsministerium erklärte, dass zunächst drei Tote zu viel gezählt worden seien. Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein.

Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele aus. Der portugiesische Al-Ahly-Trainer Manuel José sagte, er habe Dutzende von Toten gesehen. Zahlreiche schwerverletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben.

"Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen", sagte der 65-Jährige kurz nach den Zwischenfällen in einem Telefon-Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC.

Al-Ahlys Ko-Trainer Oscar Elizondo sprach von politisch gefärbter Gewalt. "Es gibt viel Hass", sagte er. Das Verhalten der Polizei bezeichnete er als Schande: "Es gab 3000 Polizisten und wohl niemand wurde verhaftet." Spieler und Trainer seien in "Militärfahrzeugen, die wie Kriegspanzer aussahen", aus dem Stadion gebracht worden. In einem Stadion in Kairo brach unterdessen ein Feuer aus, nachdem das dortige Fußballspiel als Reaktion auf die Ereignisse in Port Said abgebrochen worden war.

Das Spiel in Port Said war bereits vor Beginn von regionalen Zeitungen als "Treffen der Vergeltung" bezeichnet worden. Al-Ahly zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen.