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Nach Ausbruch der Krätze:Französische Polizei räumt Flüchtlingslager bei Calais

Eritrean migrants take cover from the rain under an umbrella during the daily food distribution at the harbour in Calais

Hoffen auf ein besseres Leben in Großbritannien: Flüchtlinge aus Eritrea im Hafen der nordfranzösischen Stadt Calais.

(Foto: Pascal Rossignol/Reuters)

Hoffnung Europa: Im nordfranzösischen Calais stranden Flüchtlinge, die nach Großbritannien wollen. Jetzt ist dort die Krätze ausgebrochen, die französische Polizei hat begonnen, die Lager zu räumen. In Marokko überwinden mehr als tausend afrikanische Flüchtlinge die Grenze ins spanische Melilla.

Die Polizei hat in der nordfranzösischen Stadt Calais begonnen, die dortigen improvisierten Flüchtlingslager zu räumen. Betroffen sind mehr als 800 Flüchtlinge aus Asien, Nahost und Afrika, die von dort aus nach Großbritannien gelangen wollen. Dies berichten französische Medien und die BBC.

In den Lagern herrschen teils katastrophale Zustände. Nach Angaben der Behörden sei die Maßnahme nötig geworden, weil nun die Krätze ausgebrochen sei, eine Hauterkrankung, die von Milben verursacht wird. Man habe den Flüchtlingen eine Frist gesetzt, um das Lager zu verlassen. Dem seien manche aber nicht nachgekommen. Seit Mittwochmorgen sei die Polizei nun dabei, das Lager zu räumen. Den Flüchtlingen werde ein Platz in einem Hotel oder Appartment versprochen, berichtet ein Reporter von ITV News, der Bilder von vor Ort liefert. Außerdem würden die Behörden Maßnahmen ergreifen, um die Epidemie einzudämmen.

Zuvor hatten bereits mehrere humanitäre Organisationen in einem gemeinsamen Brief Alarm geschlagen und nach einem Bericht des Figaro schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhoben: Die Situation in Calais verschlechtere sich - und die Behörden bewahrten Stillschweigen. Die Regierung habe bislang nicht reagiert, obwohl die Ärzte immer wieder auf die Risiken hingewisen hätten.

Die Migranten sagten der BBC, dass sie nicht wüssten, wo sie hingehen sollten, wenn das Camp zerstört werde. Auch Hilfsverbände kritisieren, dass die Regierung keine Alternativen bereitstellen würde.

Die Flüchtlinge versuchen, von dem Lager aus nach Großbritannien zu gelangen. Die BBC zitiert einen Mann aus Eritrea. Er sei bereits mehrfach auf Lastwägen aufgesprungen, die mit der Fähre nach Großbritannien übersetzen. Aber jedesmal sei er von der Polizei gestoppt worden. Er werde aber nicht aufgeben. Viele Menschen in dem Flüchtlingslager glauben, dass Großbritannien ihnen einen herzlicheren Empfang bereiten würde als Frankreich.

2002 hatte der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy das vom Roten Kreuz betriebene offizielle Durchgangslager Sangatte nahe Calais geschlossen. Zuletzt waren dort mehr als 1400 Menschen untergebracht. Im Laufe der Zeit bildeten sich daraufhin kleinere, illegale Lager rund um Calais. Mehrfach hatten die französischen Behörden diese Lager räumen lassen.

Flüchtlingsansturm auf Melilla

Auch anderswo setzen die Flüchtlinge ihre Hoffnung auf Europa: In Marokko haben erneut mehr als tausend Flüchtlinge versucht, die dreifach gesicherte Grenze zur spanischen Exklave Melilla in Nordafrika zu überwinden. Etwa 400 von ihnen schafften es und gelangten über die stark gesicherte Grenze von Marokko aus auf EU-Territorium, wie der Präsident der autonomen Stadt Melilla, Juan José Imbroda, dem spanischen Radiosender RNE sagte.

Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Flüchtlinge in Melilla stark angestiegen. Am 18. März hatten 500 Menschen die Grenze überwunden. Das für 480 Menschen vorgesehene Lager in Melilla beherbergt derzeit 1900 Migranten.

© SZ.de/hai/sks/holz

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