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Nach Attentat in Osttimor:Ramos-Hortas Zustand äußerst ernst

Einen Tag nach dem Putschversuch in Osttimor hat die Regierung für 48 Stunden den Notstand ausgerufen. der schwerverletzte Präsident Ramos-Horta wurde abermals operiert, sein Zustand ist äußerst ernst.

Einen Tag nach dem Putschversuch in Osttimor verhängte die Regierung für 48 Stunden den Notstand. Der amtierende Präsident Vicente Gutterres verkündete die Maßnahme in einer Fernsehansprache. Die Notstandsmaßnahmen sehen ein Demonstrationsverbot vor und geben der Polizei Sondervollmachten.

Unterdessen sind am Dienstag rund 340 australische Soldaten und Polizeiangehörige nach Osttimor aufgebrochen, um bei der Friedenssicherung in dem südostasiatischen Land zu helfen. Die Truppen und ein Schiff der Marine seien auf dem Weg, erklärte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

"Unser Land befindet sich jetzt in einer außerordentlichen Lage, in der ein Ausnahmezustand uns zur Normalität zurückführen wird", sagte Gutterres. Er bat die Bevölkerung, der Regierung bei der Bewältigung der Krise zu helfen. In der Hauptstadt Dili war es am Dienstag ruhig.

Viele Geschäfte blieben geschlossen. Auf den Straßen patrouillierten internationale Soldaten und Polizisten. Bei dem fehlgeschlagenen Putsch am Montag wurde Präsident Jose Ramos-Horta schwer verletzt. Er war am frühen Morgen von Angreifern niedergeschossen worden.

Ramos Horta im künstlichen Koma

Ministerpräsident Xanana Gusmao überstand einen Überfall auf sein Auto wenig später unverletzt. Für die Anschläge verantwortlich waren laut Regierung abtrünnige Soldaten unter Rebellenführer Alfredo Reinado, einem ehemaligen Chef der Militärpolizei.

Dieser und einer seiner Leute wurden getötet, auch ein Wachmann kam ums Leben. Ramos-Horta wurde von Schüssen in Brust und Bauch getroffen. Der 58-Jährige wurde in ein künstliches Koma versetzt und nach einer ersten Operation in einem australischen Militärkrankenhaus in Dili zur weiteren ärztlichen Behandlung nach Australien ausgeflogen.

In einem Krankenhaus in Darwin wurde er in der Nacht erneut operiert. Es wurden ihm Geschossteile entfernt. Der Leiter der Klinik, Len Notaros, bezeichnete des Zustand des Präsidenten am Dienstag im australischen Rundfunk als äußerst ernst, aber stabil.

Dem getöteten Rebellenführer Reinado wird eine führende Rolle bei den blutigen Unruhen im April und Mai 2006 vorgeworfen, über die die Regierung von Ministerpräsident Mari Alkatiri stürzte. Bei den Auseinandersetzungen wurden mindestens 37 Menschen getötet, 155.000 wurden zu Flüchtlingen. Dem untergetauchten Reinado sollte deshalb schon bald in Abwesenheit der Prozess gemacht werden.

Ramos-Horta, der 1996 zusammen mit seinem Landsmann Bischof Carlos Belo den Friedensnobelpreis erhielt, wurde vor knapp einem Jahr als neuer Staatspräsident von Osttimor vereidigt. Der frühere Präsident Gusmao übernahm die Regierungsgeschäfte. Das kleine Land hat sich 1999 von Indonesien gelöst, das die ehemalige portugiesische Kolonie 24 Jahre lang besetzt hielt.

Nach vorübergehender UN-Verwaltung erlangte Osttimor im Mai 2002 seine Unabhängigkeit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sicherte der Regierung die Solidarität der Vereinten Nationen zu und dankte Australien für seine Hilfe.