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Myanmar:Kampfhubschrauber gegen Zivilisten

Die Proteste gegen den Militärputsch (hier in Yangon) hören nicht auf.

(Foto: AFP)

Die Junta in Myanmar hat am Wochenende mit schweren Waffen die Stadt Mindat beschossen und Zivilisten getötet. Doch den Widerstand scheint das eher noch zu befeuern.

Von David Pfeifer, München

Am Wochenende hat die Junta in Myanmar Angriffe gegen die Stadt Mindat im Westen des Landes geflogen, nahe der Grenze zu Indien. Mit Panzern und Hubschraubern wurden die Einwohner attackiert, nachdem das Kriegsrecht ausgerufen worden war. Die Lage ist mehr als unübersichtlich. Medienberichten zufolge zwangen die schweren Gefechte Tausende Anwohner in die Flucht. Am Samstag hatte die Armee, die mit Helikoptern Verstärkung anfliegen ließ, die Kontrolle über die Stadt übernommen.

Mindat ist eine der Städte, in denen sich der bewaffnete Widerstand gegen das Militärregime sammelt, das am 1. Februar die Macht an sich gerissen hat. Erst jetzt von einem drohenden Bürgerkrieg zu sprechen, würde die früheren Zustände stabiler darstellen, als sie tatsächlich waren.

Auch die US-Botschaft in Yangon verurteilte das Vorgehen der Junta scharf. Der Einsatz von Kriegswaffen gegen Zivilisten in Mindat mache deutlich, wie tief das Militär sinken werde, um sich an der Macht zu halten, hieß es in einem Post bei Twitter. Papst Franziskus feierte am Sonntag im Vatikan eine Messe für Myanmar. Die Menschen dürften "nicht der Logik des Hasses und der Rache nachgeben", mahnte er.

Mindat liegt im sogenannten Chin-Staat, einer Region, die sich der Kontrolle des Militärs seit vielen Jahren entzieht. Die "Chinland Defense Force" meldete laut dem Online-Magazin Frontier Myanmar, dass fünf Soldaten der eigenen Truppe am Wochenende getötet worden seien. Es gibt in Myanmar etwa zwei Dutzend sogenannte "Ethnic Armed Organizations" (EAO), also bewaffnete Verbände einzelner ethnischer Gruppen. Die EAO rekrutieren sich aus dem Volk, helfen Flüchtlingen aus anderen Landesteilen und wehren sich mit zum Teil selbstgebastelten Waffen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Samstag vom Tod eines Dichters in der Stadt Monywa. Er soll die militärischen Machthaber kritisiert haben und sei zur Strafe mit Benzin übergossen und angezündet worden. Mindestens 790 Menschen hat die Junta seit dem Coup getötet. Mehr als 5000 wurden festgenommen.

Die Brutalität des Regimes bricht den Widerstand nicht

Das "National Unity Government" (NUG), die zivile Vertretung der Ethnien des Landes, bezeichnet den Junta-Führer Min Aung Hlaing als "Murderer in Chief", als obersten Mörder im Amt, und das Militär als terroristische Vereinigung. Das SAC wiederum agiert immer brutaler, weil der Widerstand nicht bricht, obwohl das Land weitgehend isoliert ist durch eine Blockade der Informationskanäle. Außerdem trudelt Myanmar in eine Wirtschaftskrise. Die medizinische Versorgung und das Bankensystem sind in vielen Orten zusammengebrochen.

Das NUG bemüht sich international um Legitimation, auch in Deutschland, doch die Regierungen zögern. Das Auswärtige Amt teilte mit, dass man die NUG als "die Stimme des myanmarischen Volkes" betrachtet, wie es auch die Europäische Union formuliert, und sie an Gesprächen beteiligen will. Gespräche über einen Frieden mit der SAC kann man sich jedoch kaum noch vorstellen. Zumal immer mehr Menschen aus den von der Junta kontrollierten Regionen in die EAO-Gebiete flüchten. Von dort wollen sie nun aktiv Widerstand leisten. Zur Not auch mit selbstgebastelten Waffen.

© SZ/mala
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