Mord an kurdischen Aktivistinnen:Tod könnte Friedensverhandlungen gefährden

Lesezeit: 3 min

Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete sich schnell unter den Kurden im europäischen Exil. In Pressemitteilungen wird sie als "die Symbolfigur des kurdischen Frauenfreiheitskampfes" gepriesen. Bereits in den Morgenstunden versammelten sich in Paris Hunderte Menschen vor dem Tatort in der Rue la Fayette. Sie schwenkten Fahnen in den kurdischen Nationalfarben und skandierten "Wir sind alle PKK".

Der Europachef der in Deutschland verbotenen PKK, Zübeyir Aydar, sprach in einer ersten Stellungnahme von einem "schmutzigen Spiel" sowie einem "Angriff von dunklen Kräften", gemeint war offenbar der türkische Staat. Französische Kurdengruppen sowie die türkische Kurdenpartei BDP riefen noch am Donnerstag zu Protesten auf.

Mord an kurdischen Aktivistinnen: "Wir sind alle PKK": Kurden gehen in Paris nach dem Tod der drei Aktivistinnen auf die Straße.

"Wir sind alle PKK": Kurden gehen in Paris nach dem Tod der drei Aktivistinnen auf die Straße.

(Foto: AFP)

Der Tod der drei Frauen könnte die Verhandlungen zwischen dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan und dem türkischen Geheimdienst ernsthaft gefährden. Zuletzt waren sie nach Angaben türkischer Medien weit fortgeschritten. Gar von einem Durchbruch, der bevorstehenden Entwaffnung der PKK, war die Rede.

Viele Kurden jedoch misstrauen der türkischen Regierung, vermuten ein taktisches Manöver. Nun verdächtigen sie den türkischen Staat, beim Tod der drei Kurdinnen die Finger im Spiel zu haben. "Türkei Mörderin", riefen Demonstranten in Paris. Der Täter habe eine Pistole mit Schalldämpfer verwendet, hieß es; das spreche für einen Profikiller. Der "tiefe Staat" - ein Konglomerat türkischer Sicherheitskräfte, die in den vergangenen Jahrzehnten mutmaßliche Staatsfeinde ermordet haben - stecke womöglich dahinter.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief zur Ruhe auf. Die Ermittlungen müssten abgewartet werden. Es könne sich um eine "versuchte Provokation" handeln, die sich gegen die Kurdenpolitik seiner Regierung richte - oder um eine blutige Abrechnung in der PKK.

Tatsächlich soll Cansiz in der Gruppe umstritten gewesen sein. Sie war offenbar Verfechterin einer friedlichen Lösung des Konflikts mit der türkischen Regierung. Vom bewaffneten Kampf soll sich die Frau, die alte Bilder in olivgrüner Tarnuniform zeigen, schon vor Jahren abgewandt haben. Von einem Streit mit hochrangigen PKK-Kommandeuren ist die Rede.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB