Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste:Geschichte einer Provokation

Egal ob Mohammed-Video, islam-kritische Karikaturen, Koran-Verbrennungen oder andere Religionskritik: Auf Provokationen reagieren Teile der islamischen Welt äußerst empfindlich. Ein Rückblick auf die Proteste seit 2004.

Mohammed-Video, Karikaturen, Koran-Verbrennungen - auf Provokationen dieser Art reagiert die islamische Welt äußerst empfindlich. Ein Rückblick auf die Ereignisse seit 2004. Amsterdam 2004 Der umstrittene niederländische Filmemacher Theo van Gogh wird im November 2004 auf offener Straße in Amsterdam ermordet. Ein radikaler Islamist wird wenig später von der Polizei festgenommen. Als Grund für seine Tat gibt er van Goghs kritischen Film "Submission" an - er handelt von der vermeintlichen Unterdrückung der Frau im Islam.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Indien 2005

Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet im Mai 2005 über eine angebliche Koranschändung in Guantánamo. Dort sollen US-Soldaten einen Koran in die Toilette geworfen haben - der Bericht löst Proteste in Pakistan, Indien, Indonesien und im Gaza-Streifen aus. Allein in Afghanisten sterben 16 Menschen, 100 werden verletzt. Das Magazin zieht den Artikel später wieder zurück.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Pakistan 2005

Die dänische Zeitung Jyllands-Posten veröffentlicht im September 2005 Karikaturen des Propheten, unter anderem eine von Kurt Westergaard, die Mohammed mit einer Bombe im Turban darstellt. Die Empörung in der muslimischen Welt war enorm: Es folgen weltweite Proteste, Westergaard entgeht später einem Attentat in seinem eigenen Haus nur knapp. 2010 veröffentlicht eine andere dänische Zeitung einige der Mohammed-Karikaturen erneut - und löste damit erneut Proteste aus.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Gaza-Streifen 2006

Papst Benedikt XVI. zitiert im September 2006 einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert: Der Prophet Mohammed habe demnach nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht. Es folgen empörte Proteste der Muslime, zum Beispiel im Gaza-Streifen.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Niederlande 2009

Im Internet veröffentlicht der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders 2009 seinen Kurzfilm. Darin beschimpft er den Islam als faschistisch und fordert ein Verbot des Korans. Diesen setzt er außerdem mit Hitlers "Mein Kampf" gleich. Islamische Staaten fordern die niederländische Regierung auf, rechtlich gegen den Film vorzugehen. Wilders wird wegen Volksverhetzung angeklagt, der Prozess geht allerdings zu seinen Gunsten aus. In Pakistan und Indonesien protestieren Tausende Muslime gegen den Film.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Gelsenkirchen 2009

Eine Zeile im Vereinslied von Schalke 04 sorgte 2009 beim Traditionsverein für Hunderte Protestmails. In dem Text heißt es, dass der Prophet Mohammed "nichts vom Fußballspielen versteht". Der Verein lässt die Textstelle von einem Islamwissenschaftler prüfen - eine "islamfeindliche Gesinnung" sei nicht zu erkennen. Die Zeile darf weiter gesungen werden.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

2010

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(Foto: dpa)

Via Facebook wird 2010 zur Einsendung von Mohammed-Karikaturen für einen Wettbewerb aufgerufen. Wütende Demonstranten gehen in Pakistan auf die Straße, US-Flaggen werden angezündet und antiamerikansiche Parolen gerufen. Im Mai 2012 folgt ein weiterer Aufruf zur Karikaturen-Einsendung über das soziale Netzwerk.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Florida 2011

Im März 2011 nimmt der radikale US-Pastor Terry Jones an einer Koran-Verbennung in einer Kirche in Florida teil. Gewalttätige Proteste folgen, in Afghanistan sterben zahlreiche Menschen. Jones hatte bereits 2010 mit der Ankündigung zur Verbrennung eine Protestwelle losgetreten. Im September 2012 verhängt das deutsche Bundesinnenministerium ein Einreiseverbot gegen Jones - die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" hatte ihn eingeladen, um das Mohammed-Video in Berlin vorzustellen.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Tunesien 2011

Im Zeichentrickfilm Persepolis der Iranerin Marjane Satrapi von 2007 wird Gott als alter, bärtiger Mann dargestellt. Nach der Ausstrahlung des Films in Tunesien 2011 demonstrieren wegen dieser Darstellung Tausende Menschen vor dem Sitz des Fernsehsenders. Als Reaktion darauf protesieren drei Tage später in Tunis wiederum Tausende für das Recht auf Meinungsfreiheit.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Afghanistan 2012

Angeblich aus Versehen verbrennen Soldaten eines US-Stützpunktes mehrere Koran-Exemplare im Februar 2012. Heftige Proteste sind die Folge. Aufgebrachte Afghanen belagern den amerikanischen Stützpunkt, werfen Steine und klettern über die Mauer. Zwölf Menschen sterben.

Mohammed-Schmähungen und muslimische Proteste

Malaysia 2012

Nachdem der Trailer eines Schmähvideos über den Propheten-Mohammed ins Arabische übersetzt wurde, breiten sich Empörung und Wut rasend schnell in der muslimischen Welt aus. Es folgen gewaltsame Ausschreitungen, bei denen mehrere Menschen - darunter der US-Botschafter in Libyen - ums Leben kommen. Nach den Staaten des Maghreb und Nahen Ostens gehen nun auch die Muslime in Malaysia auf die Straße.

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