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Mohamed ElBaradei:Karrierediplomat ohne Machtbasis

FILE: Mohamed ElBaradei Named Egypt's Interim Prime Minister

Seine Ernennung zum Regierungschef scheiterte offenbar am Widerstand der salafistischen Nur-Partei: Mohamed ElBaradei.

(Foto: Getty Images)

International genießt Mohamed ElBaradei hohe Anerkennung und gilt als "unerschrocken". Der Friedensnobelpreisträger hat sich zum Ziel gesetzt, demokratische Freiheiten gegen eine eine engstirnige Interpretation des Islam zu verteidigen. Doch viele Ägypter halten ihn für abgehoben.

Mohamed ElBaradei ist ein Mann der Prinzipien. Der inzwischen 71 Jahre alte ägyptische Karrierediplomat hatte sich in seiner früheren Funktion als Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nicht gescheut, sich mit den Amerikanern anzulegen, als er ihre Begründung für den Einmarsch im Irak für zweifelhaft hielt. International brachte das dem studierten Juristen viel Anerkennung. Der Friedensnobelpreis, den er 2005 zu gleichen Teilen mit der IAEA erhielt, würdigte offiziell seine Rolle als "unerschrockener Vorkämpfer" der nuklearen Abrüstung. Doch dürfte auch das Nobelpreiskomitee von seiner Unbeugsamkeit beeindruckt gewesen sein.

Schon bei seinem Abschied aus der Wiener IAEA-Zentrale Ende 2009 hatte er durchblicken lassen, dass er sich eine politische Rolle in seinem Heimatland durchaus vorstellen könne. Im Februar 2010 kehrte er zu einem Treffen mit führenden Köpfen der Opposition in seine Heimat zurück. Am Flughafen in Kairo begrüßten ihn damals Hunderte jubelnde Anhänger. Das Ergebnis der Gespräche war die Gründung der oppositionellen "Bewegung für den nationalen Wandel".

Als dann im Februar 2011 die Massen auf dem Tahrir-Platz Hosni Mubarak aus dem Amt jagten, galt er zeitweise als mögliche Führungsfigur der liberalen und säkularen Kräfte. Doch fehlte ihm nach Jahrzehnten im Ausland die politische Machtbasis. Vielen Ägyptern galt er als abgehoben. Eine Kandidatur für die Präsidentenwahl lehnte er nach längerem Hin und Her mit den Worten ab: "Mein Gewissen erlaubt es mir nicht, als Präsident oder für einen anderen offiziellen Posten zu kandidieren, solange dies nicht innerhalb eines echten demokratischen Systems geschieht."

Sein schlimmster Albtraum: Fundamentalisten

Hielte er sich daran, dürfte er für ein Amt in der Übergangsregierung nicht zur Verfügung stehen. Schließlich hat das Militär den demokratisch gewählten Präsidenten abgesetzt und hält nun de facto alle Fäden in der Hand. Für ElBaradei wird allerdings momentan die Sorge um die Zukunft seines Landes schwerer wiegen als seine Bedenken. Er verteidigte das Vorgehen der Streitkräfte gegen Mohammed Mursi. Dieser habe autoritär regiert und gegen den Geist der Demokratie verstoßen, sagte ElBaradei. Schon vor dem Putsch ließ er sich denn auch vom Militär in Beratungen einbeziehen. Es wäre sein schlimmster Albtraum, sollte Ägypten in einen Staat umgebaut werden, in dem die Fundamentalisten mit ihrer engstirnigen Interpretation des Islam das Leben bestimmen und sie über die bürgerlichen Freiheiten stellen.

Das wissen natürlich auch seine Gegner, zu allererst die Islamisten. Die salafistische Nur-Partei, nach den Muslimbrüdern bei der jüngsten Wahl zweitstärkste Kraft, zwang offenbar den Übergangspräsidenten Adli Mansur, von der bereits beschlossenen Ernennung ElBaradeis zum Chef der Übergangsregierung Abstand zu nehmen.