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Modellautos:Die kleine Zukunft

Matchbox's Tesla Roadster die-cast toy made from recyclable materials

Ob die Kinder dem Auto genügend Zeit zum Aufladen geben? Den Tesla Roadster gibt es bald als Matchbox-Version.

(Foto: Mattel/Reuters)

Elektromobilität kommt voran - zumindest im Kinderzimmer.

Von David Pfeifer

Wer seine Tage als Kind mit "Star Wars"-Spielzeug oder Matchbox-Autos verbracht hat, spürt diese Prägung oft ein Leben lang. 50-Jährige gehen dann wider besseres Wissen in den achten oder neunten Teil der Sternenkrieg-Saga oder kaufen sich einen sogenannten Youngtimer, einen alten Mercedes SL, einen Porsche 911 oder einen VW Käfer aus den 70er- oder 80er-Jahren. Jener Zeit also, in der man noch Auto-Quartett gespielt oder einen Plastikkoffer mit in die Sommerferien bei den Großeltern geschleppt hat, in dem fein sortiert die wichtigsten Modelle der Automobilwelt in ihrer Matchbox-Version Platz fanden.

So gesehen keine kleine Sache, dass Mattel, der Spielwarenkonzern, zu dem Matchbox gehört, gestern bekannt gegeben hat, dass sein neuestes Modell zu 99 Prozent aus recyceltem Material besteht: nämlich die Miniatur-Version des Tesla Roadster. Klar, ein Auto, das nicht nur durch seine Beschleunigungswerte und couragierte Form die Herzen höher schlagen lässt, sondern auch mit seiner umweltfreundlichen Antriebstechnik wirbt, sollte nachhaltig produziert sein. 2022 wird das Modell für Kinder auf den Markt kommen, was auch deswegen interessant ist, weil Tesla noch nicht bekannt gegeben hat, wann der echte neue Roadster auf den echten Straßen dieser Welt auf der Suche nach Ladestationen herumfahren wird.

Matchbox will auch Elektro-Modelle von BMW, Toyota und Nissan auflegen

Der kleine Roadster auf jeden Fall kann schon mit Ladestation gekauft werden, es gibt ihn mitsamt Tankstelle, auf der neben drei regulären Zapfsäulen auch eine Elektroauto-Station eingerichtet wurde. Ob die Kinder darauf achten werden, dem Modell genügend Zeit zum Aufladen zu geben? Ist das womöglich eine neue Kategorie für ein Auto-Quartett der Zukunft: Ladezeiten? Da wäre der echte Tesla ja schon mal eine ganz gute Karte. Matchbox wird allerdings auch Elektro- und Hybrid-Modelle von BMW, Toyota und Nissan auflegen. Der Tesla ist nur das erste Modell, "wir enthüllen ein Concept-Car, wie man es in der echten Autoindustrie macht" sagte Nuria Alonso, Marketingchefin von Matchbox ,der Nachrichtenagentur Reuters. Viele weitere sollen folgen, wenn es nach den kleinen und großen Herstellern geht. Denn Modelle mit Verbrennungsmotor dienen bei jungen Menschen nicht mehr als Statussymbol.

Bei Matchbox nimmt man den eigenen Auftrag durchaus ernst, den Kindern soll auf diese Weise spielerisch ein Bewusstsein für die Umwelt vermittelt werden. Auch die Verpackung der neuen Miniatur-Autos wird aus wiederverwertbarer Pappe sein, das steht in großen Lettern drauf. Während die Elektromobilität in der echten Welt also noch mit hohen Anschaffungskosten, niedrigen Reichweiten und infrastrukturellen Schwierigkeiten kämpft, kommt sie vorerst zumindest in den Kinderzimmern an. Bis zum Jahr 2030 sollen alle Matchbox-Modelle zu einhundert Prozent recyclebar sein, auch die alten 80er-Jahre-Modelle des VW Golf und Land Rover, die es weiterhin geben wird. Spannend könnte werden, welche Youngtimer sich die 50-Jährigen im Jahr 2060 kaufen, welches aktuelle Modell sich so in das nostalgische Gedächtnis fahren kann, dass man es in 40 Jahren besitzen möchte, wenn man als heute zehnjähriges Kind endlich das Geld hat, sich einen alten Traum zu erfüllen.

© SZ
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