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Mitsubishi:Ein Holzhacker-Trick

Die Diesel-Trickserei bei den Japanern ist noch billiger als bei VW.

Von Thomas Fromm

VW hatte eine eigene Software in seine Dieselmotoren gepackt, damit diese verstanden, wann auf dem Prüfstand gemessen und wann auf der Straße gefahren wurde. Eine ziemlich perfide Idee, auf die man erst mal kommen musste. Mitsubishi ist nach allem, was man derzeit weiß, ganz anders vorgegangen: Hier sollen Mitarbeiter nicht vorschriftsmäßig geprüft haben. Sie sollen Werte manipuliert haben, die Einfluss auf den Verbrauch und damit auf die Emissionen haben - zum Beispiel Daten zum Rollwiderstand der Reifen.

Verglichen mit der Software von VW ist das, was den Japanern vorgeworfen wird, eine ganz banale Trickserei. Hier die Hightech-Manipulationen aus Wolfsburg, da die Holzhacker-Methode bei Mitsubishi. Gerade das aber macht die Sache so beunruhigend: Wenn hier die Verbrauchswerte von Hunderttausenden Autos beschönigt werden konnten, indem vor den Tests vielleicht der Reifendruck verändert wurde, dann lässt das tief blicken: Wer so manipuliert, braucht keine hoch spezialisierten Software-Ingenieure; der macht das auf dem kurzen Dienstweg.

Das wirft Fragen auf: Wenn das alles so einfach ist, haben es dann auch andere so gemacht? Einfach mal Reifendruckwerte fälschen und damit in eine bessere Verbrauchsklasse aufsteigen? Der Fall Mitsubishi mag nicht so groß sein wie der Fall VW. Aber er wirft - wieder mal - einen düsteren Schatten auf die Branche.

© SZ vom 21.04.2016
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