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Minarett-Verbot:Provokateur Sarrazin versteht die Schweizer

Integrationskritiker Thilo Sarrazin sieht im Schweizer Minarett-Verbot einen Hinweis auf die Entfremdung von Politik und Gesellschaft. Der Bundesbanker zeigt Verständnis.

Offiziell ist er für IT und Risikocontrolling zuständig, persönlich aber bei Integrationsthemen auffällig meinungsfreudig - so ist er, der Bundesbank-Vorständler Thilo Sarrazin, 64.

Thilo Sarrazin; AP

Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin hat Verständnis für das Schweizer Minarett-Bauverbot geäußert.

(Foto: Foto: AP)

In einem Interview hat sich der einstige Berliner Finanzsenator wieder zu Wort gemeldet - und Verständnis für den Schweizer Minarett-Entscheid geäußert. "Das Schweizer Volksbegehren zeigt, dass in der Tiefe der Gesellschaft anders gedacht wird als die politische Klasse und die Mehrheit der Medien glauben wollen", sagte Sarrazin dem Handelsblatt.

Bei dem Volksentscheid in der Schweiz hatte am Sonntag überraschend eine Mehrheit dafür gestimmt, den Bau von Minaretten per Verfassungsgrundsatz zu verbieten. Die Schweizer Regierung hatte sich gegen die Initiative ausgesprochen. In Deutschland kritisierten Politiker aller Parteien das Votum einhellig. Die deutsche Bischofskonferenz drückte ihre "große Sorge" über das Ergebnis des Volksentscheids aus. Solche Bürger-Voten über Moscheebauten sind hierzulande nicht möglich.

Sarrazin aber schert - wie gewohnt - aus der Schar der Kommentatoren aus. Zuletzt hatte der Bundesbanker im Oktober für Aufregung gesorgt, als er sich zur Integrationspolitik äußerte.

In einem Interview sagte er unter anderem, er müsse "niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert". Das ging gegen Türken und muslimische Mitbürger. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Verleumdung vergangene Woche eingestellt.

Offenbar lebt Sarrazin mit dem Drang, immer wieder provozieren zu müssen. Vorige Woche nahm er sich beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel vor. In einem Interview sagte der Banker, die aktuelle Politik sei "ein müder Wiederaufguss der späten Kohl-Jahre". Er empfahl der Kanzlerin, sich "mal im stillen Kämmerlein einzuschließen, zwei Tage ruhig nachzudenken und sich zu überlegen, was sie wirklich will und das auch durchzusetzen."