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Merkels Freude über Bin-Laden-Tötung:Geißler springt der Kanzlerin bei

Hilfe vom CDU-Urgestein: Heiner Geißler versucht, die Kritik an Angela Merkels öffentlichem Frohlocken über den Tod Osama bin Ladens zu zerstreuen. Die Grünen sprechen dagegen von "bizarrer" Freude - die Todesstrafe hätten sie aber als "gerecht" empfunden.

Die offen geäußerte Freude von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Todesschüsse auf den Al-Qaida-Chef Osama bin Laden sorgt weiter für Diskussionen. Zu Hilfe kam der Regierungschefin nun ein Parteifreund: Heiner Geißler.

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Nimmt die Kanzlerin in Schutz: CDU-Veteran Heiner Geißler

(Foto: dpa)

Der frühere CDU-Generalsekretär sagte im Deutschlandfunk, zum Christlichsein gehöre auch, dass nicht jede Äußerung "pedantisch und moralisierend" auf die Goldwaage gelegt werde. Die Kanzlerin habe sich nach seiner Einschätzung lediglich darüber gefreut, dass es gelungen sei, dieses Problem zu lösen.

Geißler sagte, Bin Ladens Tötung sei ein "Akt der Gerechtigkeit" gewesen. Die USA befänden sich im Krieg mit al-Qaida. Wenn eine Aktion wie die Tötung Bin Ladens nicht mehr möglich sei, würde das aus seiner Sicht bedeuten, "dass alle Gewaltverbrecher ihre Herrschaft über die ganze Welt ausdehnen dürfen".

Anders sehen das die Grünen: Der Obmann der Partei im Verteidigungsausschuss, Omid Nouripour, bezeichnete die Freude angesichts der Tötung Bin Ladens als "bizarr". Allerdings sei er erleichtert, dass der Terrorchef keinen Schaden mehr anrichten könne, sagte er im ZDF. "Aber Freude ist tatsächlich ein bisschen merkwürdig beim Tod eines Menschen." Egal ob sich dabei um einen Verbrecher gehandelt habe oder nicht, ergänzte Nouripour.

Nouripour: Gerechte Strafe wäre in den USA die Todesstrafe gewesen

Der Terroristenführer war in der Nacht zu Montag in Pakistan von US-Elitesoldaten erschossen worden. Merkel hatte sich darauf in einer Pressekonferenz erleichtert darüber gezeigt, dass nun keine Gefahr mehr von Bin Laden ausgehe. Auf eine Nachfrage hatte sie dann gesagt: "Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten."

Grundsätzlich kritisch äußerte sich Nouripour auch zur Tötung des al-Qaida-Chefs. So müsse man auch im Kampf gegen den Terrorismus die Regeln des Rechtsstaates bewahren. Der Grünen-Politiker sagte: "Tun wir das nicht, dann sind wir relativ schnell dabei, wie (der frühere US-Präsident George W.) Bush es auch immer wieder gesagt hat: Ein bischen Folter ist ja auch OK. Dann verweichlichen aber auch die Regeln unserer eigenen Zivilisation."

Nach den Worten des Verteidigungspolitikers wäre eine Gefangennahme des Terror-Chef besser gewesen, um ihn vor Gericht stellen zu können. "Die gerechte Strafe wäre - wenn sie in den USA vollzogen worden wäre - die Todesstrafe gewesen. Das ist keine Frage."

Obama: Wir sollen nicht "ausgelassen feiern"

Zuvor hatten bereits Vertreter der Kirchen Merkels Freuden-Äußerung moniert. Als "missverständlich und sehr irritierend" bezeichnete Alois Glück (CSU), der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Merkels Verhalten. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, nannte Merkels Äußerung "suboptimal". Auch aus Merkels Kabinett kamen kritische Töne: Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP) sagte der Frankfurter Rundschau: "Freude ist hier die falsche Kategorie."

Die Kanzlerin war am Vortag auf die Kritik eingegangen - allerdings nicht persönlich. Merkel habe Verständnis dafür, dass der Satz, sie freue sich über den Tod bin Ladens, von einigen Menschen als unpassend empfunden werde, ließ sie über Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten.

US-Präsident Barack Obama zeigte sich über die geglückte Kommandoaktion bislang keine Freude, bei seinem jüngsten CBS-Interview dämpfte er sogar Triumph-Anwallungen der Amerikaner. "Tatsache ist, dass hier jemandem die Gerechtigkeit widerfahren ist, die er verdient hat", sagte Obama. "Aber wir müssen das nicht ausgelassen feiern."

© sueddeutsche.de/dpa/AP/odg

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