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Masern:Etwas Zwang

Der Staat darf die Impf-Gegner nicht sich selbst überlassen.

Von Kim Björn Becker

Es spricht ja grundsätzlich nie etwas dagegen, mit skeptischem Blick durchs Leben zu gehen. Doch die teils dummdreiste Ignoranz, mit der so mancher Impfgegner sich medizinischen Erkenntnissen verweigert (unter dem Vorwand, kritisch und informiert zu sein), ist schon bemerkenswert. Man könnte es ja noch hinnehmen, wenn die fanatischen Impfgegner damit nur sich selber schadeten. Doch sie setzen ihre Mitmenschen einem unnötigen Masern-Risiko aus. Das ist unverantwortlich.

Natürlich hört sich zunächst bedenklich an, was Gesundheitsminister Hermann Gröhe da gerade plant: Nach seinem Willen sollen Kitas den Gesundheitsämtern melden, wenn Eltern die vorgeschriebene ärztliche Impfberatung für ihr Kind ablehnen - das riecht nach einer Aufforderung zur Denunziation.

Doch derlei Kritik verkennt den Ernst der Lage. Die Impflücken sind teilweise schon so groß, dass es weitaus fahrlässiger wäre, würde der Staat nichts unternehmen. In anderen Ländern gibt es eine Impfpflicht, doch so weit will die Bundesregierung nicht gehen. Stattdessen setzt sie auf sanften Druck, um die Impfgegner dazu zu bringen, das einzig Richtige zu tun. Sie sollen sich von einem Arzt, der sein Wissen aus der Uni und nicht von dubiosen Internetseiten hat, erklären lassen: dass sie ihren Kindern nur schaden, wenn sie sich dem Impfen versperren.

© SZ vom 27.05.2017

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