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London:Polizei wertet Messerattacke als islamistisch motivierten Terrorakt

London: Absperrung nach einer Messerattacke in Streatham

Ein Polizist an der Absperrung des Einsatzortes in London.

(Foto: REUTERS)
  • In London hat ein Mann zwei Menschen mit einem Messer angegriffen, ein Opfer wurde schwer verletzt, ist aber offenbar außer Lebensgefahr.
  • Die Polizei geht von einem islamistisch motivierten Terrorakt aus.
  • Der britische Premierminister Boris Johnson dankte via Twitter den Einsatzkräften für ihre Arbeit.

Ein Mann hat in London zwei Menschen mit einem Messer verletzt. Ein Opfer wurde schwer verletzt, der 40 bis 50 Jahre alte Mann schwebe jedoch nicht mehr in Lebensgefahr, hieß es von der Polizei, die den mutmaßlichen Angreifer in Streatham im Süden der britischen Hauptstadt erschoss. Eine weitere Person sei vermutlich durch herumfliegende Glassplitter verletzt worden, als die Polizei auf den Angreifer schoss. Die Ermittler gehen von einem islamistisch motivierten Terrorakt aus.

Die radikal-islamische IS-Miliz reklamierte den Angriff für sich. Der Angreifer sei ein "Kämpfer des Islamischen Staates" gewesen und habe Vergeltung für das Vorgehen der internationalen Anti-IS-Koalition geübt, teilten die Extremisten am Montag über ihre Agentur Amak. Belege dafür nannten sie nicht.

Die britischen Behörden hatten am Sonntag Berichte bestätigt, wonach der Angreifer eine Art Sprengstoffgürtel trug. Es habe sich jedoch schnell herausgestellt, dass es sich um eine Attrappe gehandelt habe. Wie unter anderem die BBC berichtet, soll der Angreifer bis vor Kurzem wegen Straftaten, die mit Terrorismus in Verbindung stehen, im Gefängnis gesessen haben. Zum Zeitpunkt der Tat habe er unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden gestanden.

Der britische Premierminister Boris Johnson dankte via Twitter den Einsatzkräften für ihre Arbeit. Seine Gedanken seien mit den Verletzten und allen Betroffenen. Dazu kündigte er "fundamentale Änderungen" im Umgang mit Menschen an, die wegen terroristischer Delikte verurteilt wurden.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan twitterte: "Terroristen versuchen uns zu spalten und unseren Lebensstil zu zerstören - hier in London werden wir sie damit niemals Erfolg haben lassen."

Wie der Londoner Rettungsdienst mitteilte, ging der erste Notruf um 13.58 Uhr Ortszeit ein. Um ungefähr 14 Uhr wurde der Angreifer von Polizeibeamten erschossen. Der Vorfall ereignete sich in einer belebten Einkaufsstraße.

Täter war verurteilter Islamist

Der Polizei zufolge handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter offenkundig um einen erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen 20-Jährigen. Er war 2018 zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er Material für einen islamistisch motivierten Terroranschlag gesammelt und Propaganda verbreitet hatte. Laut der Zeitung The Independent soll er einmal sogar seine Freundin aufgefordert haben, ihre Eltern zu enthaupten, weil diese Ungläubige seien. Trotzdem kam er Ende Januar vorzeitig auf freien Fuß.

"Ich habe gerade die Straße überquert, als ich einen Mann mit einer Machete und silbernen Behältern an der Brust gesehen habe", schilderte ein Jugendlicher der Nachrichtenagentur PA. Der Mann sei von einer Person in ziviler Kleidung verfolgt und beschossen worden. Der BBC zufolge sind mobile Einheiten der britischen Anti-Terror-Polizei ständig in London unterwegs, um bei einer Terrorattacke so schnell wie möglich eingreifen zu können.

Auch im belgischen Gent hat die Polizei Medienberichten zufolge am Sonntagabend einen Mann angeschossen und an der Hand verletzt. Dieser soll zuvor versucht haben, Personen mit einem Messer anzugreifen, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten Ermittlungen aufgenommen.

In London gab es in den vergangenen Jahren mehrere Terrorattacken mit Toten und Verletzten. Der letzte Vorfall dieser Art hatte sich im November ereignet. Damals hatte die Polizei einen Mann erschossen, der die Attrappe einer Sprengstoffweste getragen hatte. Er hatte zwei Menschen erstochen und drei weitere verletzt, bevor Passanten ihn überwältigen konnten. Auch damals sprach die Polizei von einem terroristischen Hintergrund.

© SZ.de/woja/Reuters/dpa/AP/jael
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