Libyen: FototickerLichtblitze im Dunkel der Nacht

Kampfjets, zerbombte Autos, verwundete und getötete Soldaten: Die Bilder vom Krieg um Libyens Zukunft gehen um die Welt. Auf vielen werden militärische Macht und Gewalt inszeniert.

Die Bilder im Fototicker

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In Libyen wird Krieg geführt. Auch mit Bildern. Bilder können in einem Krieg eine mächtige Waffe sein, es geht um die Inszenierung, auch um die Ästhetisierung von Macht, von Gewalt, von Krieg. Die US Navy hat dieses Bild veröffentlicht. Es zeigt Corporal Sean Moberly von den US Marines, der vor dem Start eines AV-8B-Harrier-Kampfflugzeugs an Bord der USS Kearsarge einen Routinecheck durchführt.

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Ebenfalls ein Bild, das von den US-Streitkräften herausgegeben wurde: Flugelektriker Joseph Fremen arbeitet an einem Seahawk-Helikopter, bevor er von der Kearsarge aus gegen das Gaddafi-Regime eingesetzt werden kann.

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Weniger professionell, dafür umso bedrohlicher: dieses Foto aus Tripolis. Darauf zu sehen ist eine Luftabwehrrakete, die Truppen des Gaddafi-Regimes abgefeuert haben. Über der Hauptstadt kreisen seit Samstagnacht immer wieder Flugzeuge der Alliierten, die die Flugverbotszone über Libyen durchsetzen wollen.

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Am Sonntagabend schlug eine Rakete in einem Gebäude von Muammar al-Gaddafis Residenz ein und beschädigte es schwer. Wo sich der libysche Diktator zu dem Zeitpunkt aufhielt, ist nicht bekannt. Schnell waren Journalisten vor Ort (Bild), ...

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... aber auch Gaddafi-Anhänger zeigten vor dem getroffenen Bab al-Asisija-Stützpunkt Präsenz.  Mehrere hundert Unterstützer hielten sich vor seiner Residenz im Süden von Tripolis auf, meldete der TV-Sender Al-Jazeera - sie wollen ihn als "menschliche Schutzschilde" vor den Luftangriffen von US-Amerikanern, Briten und Franzosen bewahren.

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Der Weltsicherheitsrat hatte am Freitag beschlossen, eine Flugsicherheitszone in Libyen durchzusetzen. Die Menschen aus der Region Bengasi hatten dies lange gefordert und feierten, als der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1973 beschloss. Nachdem die Alliierten ihre Militäraktion begonnen haben, ist der Vormarsch von Gaddafis Truppen gestoppt. Auf dieser Straße zwischen Bengasi und Adschdabija sind einige Rebellen auf einen zerstörten Panzer geklettert und jubeln dort.

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Die Aufständischen haben vor allem ein Ziel: Sie wollen den seit 42 Jahren regierenden Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi stürzen.

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Auf diesem zerstörten Militärfahrzeug wurde ein Propaganda-Poster mit dem Konterfei von Muammar al-Gaddafi angebracht.

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An das Rohr dieses zerstörten Panzers haben die Aufständischen die Stiefel von gaddafitreuen Soldaten gebunden.

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Auch in den Straßen von Bengasi feiern die Rebellen.

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Am Sonntagmittag werden erste Fotos veröffentlicht, die offenbar ein völlig verwüstetes Areal im Süden Bengasis zeigen. Leichen liegen auf der Erde. Augenzeugen berichten, dass französische Jets in der Nacht zum Sonntag hier Militärfahrzeuge des Gaddafi-Regimes beschossen und zerstört hätten.

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Im Vorbeifahren können mindestens 16 Tote gezählt werden. Allerdings war die Bombardierung so stark, dass einzelne Leichen nur schwer voreinander unterschieden werden können. Einige sind verkohlt, andere schon zugedeckt.

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Überall entlang dieser Straße ausgebrannte Fahrzeuge, Panzer, Jeeps.

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Jetzt kehren die Aufständischen in ihren Pick-up-Trucks zurück, fahren durch die Landschaft der Zerstörung Richtung Westen.

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Zu sehen sind die Wracks von etwa 14 Panzern, 20 gepanzerten Truppentransportern, von zwei Lastwagen mit Raketenwerfern und Dutzenden Pritschenwagen. An den Fahrzeugen lodern noch Flammen, lassen Munition explodieren. "Gaddafi ist wie ein Huhn, und die Koalition rupft ihm die Federn aus, damit er nicht fliegen kann", sagt ein Rebell, während er den Ort betrachtet. "Die Revolutionäre werden ihm den Hals durchschneiden."

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"Das alles war Frankreich", sagt ein anderer Aufständischer zu den Fahrzeugwracks, zu den Panzern mit abgerissenen Geschütztürmen und den umgerissenen Straßenlaternen. "Wir kamen heute an und haben gesehen, dass die Straße frei ist."

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Die Situation südlich von Bengasi lässt darauf schließen, dass Gaddafis Truppen kurz davor waren, in das Innere der Stadt einzudringen. Bewohner der Stadt klettern auf zerstörte Panzer, schießen Fotos, durchwühlen die Hosentaschen der Toten.

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Etwa 20 Kilometer südlich von Bengasi scheinen die Soldaten von dem Angriff überrascht worden zu sein: Zu beiden Seiten der Straße sind 200 Meter weit Bettzeug, Kleidung und persönliche Gegenstände von Hunderten Männern verstreut, darunter Stiefel, Panzerwesten, Zigaretten und Kassettenspieler.

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Ein Panzer explodiert, nachdem er von einer Rakete der Alliierten getroffen wurde, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters zu diesem Foto. Es heißt, der Panzer gehörte zu Gaddafis Armee und habe auf einer Straße zwischen den Städten Bengasi und Adschdabija im Osten Libyens gestanden.

Libyen: Fototicker

1973

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Es sind Bilder wie aus Hollywood-Kriegsfilmen. Bilder, die militärische Macht, Überlegenheit beweisen sollen, hinter denen sich aber reale Zerstörung und menschliches Leid verbergen.

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Der französische Flugzeugträger Charles de Gaulle wird am Sonntag im Hafen der Stadt Toulon verabschiedet. In 36 bis 48 Stunden soll er vor Libyen liegen und dort die Militäraktionen gegen das Gaddafi-Regime unterstützen. Auf seinem Weg wird das Schiff noch Kampfjets aufnehmen.

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Auf einer Militärbasis in Großbritannien bereiten Soldaten einen Tornado GR4 der Royal Air Force für den Einsatz über Libyen vor.

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Das libysche Fernsehen lässt unterdessen Propaganda-Bilder verbreiten: Während das staatliche Fernsehen eine Audio-Nachricht des Diktators verbreitete, zeigte es Bilder einer golden schimmernden Faust, die einen US-Kampfjet zwischen den Fingern zermalmt.

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Auch solche Bilder gehören zur libyschen Propaganda: Anhänger Gaddafis zeigen ihre Solidarität mit dem Diktator.

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Proteste gegen die Angriffe auf Libyen gibt es auch auf den Philippinen: In der Hauptstadt Manila zerstören Gegner der Militärangriffe gegen das Gaddafi-Regime eine US-Flagge. Die Demonstranten sehen die USA als Anführer des Einsatzes.

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Britische Aufklärungsflugzeuge landen auf dem Militärstützpunkt Akrotiri auf Zypern. Sie sollen britische Kampfflugzeuge unterstützten. Mehrere Tornados der Royal Air Force feuerten bereits Lenkflugkörper der Marke Stormshadow ab, teilte der britische Armeesprecher John Lorimer in London mit.

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Die Welt schaut auf den Krieg in Libyen: In Los Angeles erinnerten Friedensaktivisten an den achten Jahrestag der Invasion in den Irak und protestieren gegen die Kampfhandlungen.

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Im sizilianischen Trapani werden Tornados für ihren Einsatz über Libyen vorbereitet. Sie wurden von der Militärbasis Piacenza in den Süden verlegt. Auch Dänemark hat Kampfflugzeuge nach Sizilien geschickt.

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In den Stunden nach den ersten Angriffen gab es keine Fotos von Zerstörung, Toten oder Verletzten. Stattdessen kommen die einzigen Bilder des Bombardements vom US-Militär selbst. Sie sind Inszenierungen der militärischen Macht - hier wird auf der USS Barry ein Tomahawk-Marschflugkörper auf ein Ziel in Libyen abgefeuert.

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Raketenstart auf der USS Ponce, fotografiert durch ein Nachtsichtgerät: Insgesamt 110 Marschflugkörper feuerte die US-Armee ab, nachdem die Dunkelheit über Libyen hereingebrochen war.

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Bilder von Schlagkraft und Entschlossenheit: Der Beginn des Krieges am Samstagnachmittag - ein französisches Kampfflugzeug bricht nach Libyen auf. "Unsere Flugzeuge verhindern bereits Attacken aus der Luft auf die Stadt", sagt der französische Präsident Nicolas Sarkozy.

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Die Inszenierung der Gegenseite: Ein Unterstützer des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi demonstriert nahe Bab Al-Aziziyah, dem schwer gesicherten Sitz des Desoten in Tripolis. Die Protestierenden sollten als menschliche Schutzschilde dienen.

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Lächeln, Zuversicht und Kampfwillen zeigen: Eine Unterstützerin des Diktators bei der Aktion in Tripolis. Gaddafi selbst meldete sich am Abend nur in einer im Fernsehen übertragenen Tonbotschaft zu Wort, zeigte sich der Weltöffentlichkeit aber nicht. Die Menschen vor seinem Amtssitz ...

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... harrten dagegen bis in die Nacht aus, als schon die ersten Geschosse in mehreren Städten des Landes einschlugen.

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Um sie geht es bei der Offensive: Rebellen in Bengasi feiern die Ankunft der ausländischen Kampfflugzeuge. Seit Tagen hatten sie um die Unterstützung der Weltgemeinschaft gefleht.

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Eine Rebellin hebt das Gewehr und schießt in die Luft, als sie erfährt, dass die französischen Kampfjets Gaddafis Truppen an weiteren Angriffen gegen die Aufständischen in Bengasi hindern.

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Weil sich die Lage in Bengasi zunehmend zuspitzt, versuchen viele Zivilisten, aus der umkämpften Stadt zu fliehen.

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Mit ihrem Eingreifen reagiert die internationale Staatengemeinschaft auf die leeren Versprechungen Muammar al-Gaddafis. Obwohl der Machthaber nach der Verabschiedung der UN-Resolution einen Waffenstillstand zugesichert hatte, griffen die Truppen des Regimes Ziele am Rande Bengasis an. Im Bild: ein verletzter Oppositionskämpfer.

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In medizinischen Einrichtungen werden die Leichen toter Aufständischer aufgebahrt. Wie viele Opfer die Gefechte in Bengasi bisher gefordert haben, ist nicht bekannt.

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Mit Granatwerfern gegen Panzer: Die Oppositionstruppen sind der Armee Gaddafis logistisch weit unterlegen - ohne das Eingreifen der Weltgemeinschaft hätten sie den Widerstand gegen Gaddafis Truppen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht lange aufrecht halten können.

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Ein Oppositionskämpfer zeigt Handgranaten, die angeblich bei loyalen Pro-Gaddafi-Anhängern gefunden wurden. Das Land befindet sich längst in einem Bürgerkrieg.

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Insgesamt ist die Lage in Bengasi wenig überschaubar. So bezichtigt das Gaddafi-Regime die Opposition, mit eigenen Angriffen die militärische Reaktion provoziert zu haben und zudem von der Terror-Organisation Al-Qaida unterstützt zu werden. Die internationale Gemeinschaft schenkt diesen Aussagen keinen Glauben.

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Auch der Abschuss eines Kampfjets sorgt für Verwirrung: Zunächst hieß es, es handele sich um einen Bomber des Regimes.

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Später gingen die Aufständischen mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, es habe sich bei dem Bomber um einen Jet aus den eigenen Reihen gehandelt. Der Abschuss sei ein Versehen gewesen.

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Der brennende Jet stürzte in einen Vorort Bengasis. Schwarzer Rauch stieg auf, als der Bomber am Boden zerschellte.

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