bedeckt München 28°

Libyen:Ein Land als Spielfeld

Im Nachbarland Ägyptens tummeln sich mittlerweile jede Menge Staaten, die rüde ihre Interessen durchzusetzen versuchen, auch mit Soldaten. Besonders erfolgreich ist dabei gerade die Türkei. Wer wird am Ende Libyens riesige Ölvorkommen kontrollieren?

Von Tomas Avenarius

Mit dem Säbel zu rasseln, ist ein Leichtes. Ihn dann auch zu ziehen, ist schon weit gefährlicher. Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi scheint dazu aber bereit zu sein, wenn es um den Bürgerkrieg im Nachbarland Libyen geht. Mit seinem Befehl an die ägyptische Armee, sich auf einen Einsatz außerhalb der Landesgrenzen einzustellen, hat er dies klargemacht.

Sisis Botschaft galt weniger den eigenen Soldaten als der türkischen Regierung. Ankara hat mit seinem risikofreudigen Eingreifen das Blatt im Libyen-Krieg blitzschnell gewendet. Die Belagerung der Hauptstadt Tripolis ist beendet, die von den Türken unterstützte Kriegspartei treibt ihren Feind vor sich her, marschiert auf die Ölgebiete zu. Und wer diese riesigen Rohstoffvorkommen kontrolliert, der bestimmt die Geschicke des Landes.

Libyen ist das Spielfeld einer Reihe von Staaten, die in dem nordafrikanischen Land eine rüde Interessenpolitik betreiben und ihre Konflikte kaum verdeckt militärisch austragen. Auch wenn die Türkei im Moment als der strahlende Königsmacher im Libyen-Krieg erscheint, sollte Ankara sich nun zurückhalten und nicht überreizen. Die Koalition der Gegner, zu denen neben Ägypten auch Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate und inoffiziell Frankreich gehören, ist ziemlich groß.

© SZ vom 22.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite