Libyen Bruch mit Frankreich

Mehr als 200 Menschen sterben bei Kämpfen um Tripolis. Die dortige Regierung beschuldigt Paris, den aufständischen General Khalifa Haftar zu unterstützen. Sie kündigt daher den Abbruch aller Beziehungen zu Frankreich an.

Die fehlende europäische Einigkeit im Umgang mit dem drohenden Bürgerkrieg in Libyen verschärft die Situation in der Hauptstadt Tripolis weiter. Seit dem Ausbruch der Kämpfe vor rund zwei Wochen sind mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen, knapp 1800 Kinder sitzen nach UN-Angaben zwischen den Fronten fest. Während General Khalifa Haftar weiter auf Tripolis vorrückt, erhebt die dort ansässige und international weitgehend anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fayez el-Serraj schwere Vorwürfe gegen Frankreich. Sie beschuldigt Paris, General Khalifa Haftar zu unterstützen. Libyens Innenminister Fathi Ali Bashagha kündigte den Abbruch aller Beziehungen seines Ministeriums zu Frankreich an. Ein Vertreter des französischen Außenministeriums wies die Vorwürfe als "völlig unbegründet" zurück. Frankreich und Italien konkurrieren um politischen und wirtschaftlichen Einfluss in dem Bürgerkriegsland. Eine einheitliche europäische Gangart fehlt deshalb - auch im UN-Sicherheitsrat, der am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammenkam. Deutschland hatte die Sitzung einberufen, nachdem sich der Rat nicht auf ein Papier zu einer Waffenruhe einigen konnte. Seit 2011 hat sich Libyen zu einem der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa entwickelt. Die Kämpfe um Tripolis haben nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration rund 25 000 Menschen vertrieben. Italien befürchtet, dass nun mehr Flüchtlinge den Weg übers Mittelmeer wagen.