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L'Oréal-Erbenstreit:Ein pikanter Verdacht

Was diesen Verdacht auf Steuerhinterziehung besonders pikant macht, ist der Umstand, dass 2007 die Frau des damaligen Finanz- und heutigen Arbeitsministers Eric Woerth, Florence Woerth, von der Firma Clymene angestellt wurde, die für die Verwaltung des Vermögens von Liliane Bettencourt zuständig ist. Das rief natürlich sofort die Sozialisten auf den Plan. Deren Abgeordneter Arnaud Montebourg ließ sich unlängst mit der Feststellung vernehmen: "Wir haben einen Finanzminister, der gleichzeitig der Schatzmeister der (Regierungspartei) UMP ist, dessen Frau sich damit befasst, die Steuerhinterziehungen von Mme. Bettencourt zu organisieren".

Für diese Behauptung liefern die veröffentlichten Passagen der Tonbandaufnahme jedoch keinerlei Hinweise. Andererseits wird allerdings deutlich, dass Florence Woerth, die unterdessen die Firma Clymene wieder verlassen hat, von Liliane Bettencourts Finanzberater Patrice de Maistre vor allem deshalb eingestellt wurde, um deren Ministergatten zu Gefallen zu sein. Den damaligen Finanzminister bezeichnet de Maistre als "sehr sympathisch und außerdem ist er es, der für ihre Steuern zuständig ist, weshalb das keineswegs idiotisch war". Gemeint war damit die Anstellung von Florence Woerth.

Diese Feststellung ist angesichts des Verdachts auf Steuerhinterziehung zumindest peinlich - ebenso wie der Umstand, dass die Milliardärin Anfang März 2010 der UMP-Spitzenkandidatin in der Region Ile-de-France Spenden für die anstehenden Regionalwahlen anwies. "Sie wird zwar verlieren", wie sich de Maistre vernehmen ließ, "aber wir müssen ihr dennoch unsere Unterstützung zeigen. Der zweite, dem wir helfen sollten, ist der Finanzminister und der dritte ist Nicolas Sarkozy". Diese Zuwendungen rechtfertigte der Finanzberater damit, dass man in Zeiten wie diesen Freunde haben müsse.

An denen dürfte die freigiebige Milliardärin allerdings nie Mangel gehabt haben.

© SZ vom 22.06.2010/aho

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