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Kunstmarkt:Steuer runter

Der Staat könnte Künstlern helfen, und dabei verdienen.

Von Catrin Lorch

Corona hat den Kunstmarkt schwer getroffen - Auktionshäuser vermelden Umsatzeinbußen, bedeutende Messen wie die Art Basel wurden abgesagt, Galerien verzeichnen weniger Besucher. Der internationale Kunstzirkus ist durch die Pandemie zum Stillstand verurteilt. Dass Galerien für zeitgenössische Kunst zwischen Köln, Düsseldorf, Berlin und München dennoch an diesem Wochenende gemeinsame Vernissagen veranstalten, ist ein Kraftakt. Denn weder aus China und den USA, noch aus Spanien oder Frankreich werden Sammler anreisen können. Das bedeutet Umsatzeinbußen - nicht zuletzt für die Künstler. Viele mussten in diesem Sommer, in dem Galerien Lagerflächen aufgegeben haben, ihre eigenen Werke vernichten.

Die vielfältige, reiche Kunstszene in Deutschland ist akut gefährdet, während die Konkurrenz in New York mit Millionenzahlungen vom Staat aufgepäppelt wird. Man könnte dem mit einer einfachen Maßnahme begegnen: Die Mehrwertsteuer wieder auf den alten Satz von sieben Prozent senken. Seit der Erhöhung auf 19 Prozent im Jahr 2014 geriet man gegenüber der Konkurrenz aus Nachbarländern wie Belgien ins Hintertreffen, Händler gründeten Ableger in Brüssel oder Paris oder wickelten ihre Geschäfte in Zollfreilagern ab. Galeristen prophezeien auch in Zeiten der Krise einen Verkaufsboom, wenn dieser Standortnachteil fällt. Womöglich verlöre der Staat deshalb als Kunstförderer kein Geld, sondern profitierte kräftig.

© SZ vom 12.09.2020
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