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Kritik an Südamerika-Reise:Westerwelle feuert aus allen Rohren

Wer Gudio Westerwelle angreift, schadet Deutschland und kann nur vom linken Zeitgeist beseelt sein. Der Außenminister will "jetzt erst recht" gegen alle Kritiker kämpfen.

Der Außenminister hat Blut geleckt. Guido Westerwelle ließ gleich nach seiner Rückkehr eine Salve von Kurzinterviews los, um allen seinen Gegnern eines klar zu machen: Jetzt wird gekämpft und er, der Außenminister, Retter von Arbeitsplätzen, Beschützer der ordentlich Arbeitenden werde aus der Schlammschlacht als Sieger hervorgehen.

In der Bild am Sonntag ging er die Opposition frontal an, sie schade mit ihrer Kritik an ihm dem Ansehen Deutschlands. Es sei "der Tiefpunkt der politischen Kultur, wenn die Opposition für ihre parteipolitischen Anliegen sogar Familienmitglieder des politischen Gegners attackiert". Westerwelle kündigte an, "jetzt erst recht" die Auseinandersetzung zu suchen. "Mein Fell ist sehr dick. Parteipolitische Diffamierungskampagnen beflügeln mich zum Kampf."

In der Wirtschaftswoche bezichtigt der Außenminister seine Kritiker der linken Kleingeisterei. In anderen Ländern sei es für Außenminister völlig normal, sich für die heimische Wirtschaft zu engagieren. "Der linke Zeitgeist hält Geschäftemachen für fragwürdig. Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass das künftig anders ist", so Westerwelle.

In der Welt am Sonntag verteidigt der Vizekanzler die Auswahl seiner Begleiter. Es gebe im Auswärtigen Amt ein eingespieltes Verfahren zur Auswahl von Delegationsgästen. "Allerdings lege ich besonderen Wert auch auf die Teilnahme kleinerer und mittlerer Firmen und nicht nur der Großindustrie."

Westerwelle wird unter anderem vorgehalten, sein Lebenspartner Michael Mronz könnte solche Reisen zur Anbahnung eigener Geschäfte nutzen. Der Event- und PR-Manager Mronz, der auf die Vermarktung von großen Sportereignissen spezialisiert ist, hatte den Außenminister nach Südamerika begleitet. In Brasilien finden 2014 die Fußball-WM und zwei Jahre später die Olympischen Spiele statt. Zur Delegation einer China-Reise im Januar gehörte auch der Chef eines Unternehmens, an dem Westerwelles Bruder Kai Anteile hält.

Bei der nächsten großen Auslandsreise des Außenministers wird Mronz nicht dabei sein. Der Sportveranstaltungs-Manager kündigte an, er wolle auf die Mitreise nach Südafrika im April verzichten. Er habe "andere Termine".

Mronz wies den Vorwurf zurück, in Südamerika berufliche Interessen verfolgt zu haben. Seine Firma sei "nicht auf solche globalen Events wie die WM oder die Olympischen Spiele" ausgerichtet. Nach Ansicht des SPD-Außenexperten Rolf Mützenich hinterlässt die Reise einen "faden Beigeschmack". "Ich habe den Eindruck, dass Herr Westerwelle es nicht geschafft hat, jeden Anschein von Interessenkollision zu vermeiden, und da sind ja wohl Nachfragen erlaubt."

Westerwelle wird am Sonntag auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen FDP in Siegen auftreten. Er hat bereits angekündigt, sich dort mit aller Kraft gegen die Vorwürfe im Zuge der Südamerika-Reise zu wehren. Ob es auch wieder um "spätrömische Dekadenz" gehen wird, ist noch nicht bekannt.

© sueddeutsche.de/dpa/cmat/dgr

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