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Krise in Griechenland:Zurück zu den Eltern, ohne Job, ohne Selbstwertgefühl

Und wie steht es um die arbeitende Minderheit? Freunde zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen ist immer schön. Vor allem während der Weihnachtszeit, wenn die Stimmung festlich ist und die Menschen fröhlich. Abern ist es Ihnen schon mal so ergangen, dass Sie sie gar nicht mehr fragen wollten, was sie machen und wie es ihnen geht - aus Angst vor den Antworten?

Ich habe eine Freundin getroffen, mit der ich zusammen studiert habe und die ich ein Jahr lang nicht mehr gesehen hatte. Sie hat inzwischen ihren Master gemacht und ist in die elterliche Wohnung zurückgezogen. Diese Rückkehr-Bewegung ins Elternhaus scheint ein unbesiegbarer Virus zu sein. Was für ein trauriger Rückschritt im Abenteuer Leben. Junge Menschen bewohnen ihre früheren Kinder- und Jugendzimmer. Sie sitzen auf eben jenem Bett, auf dem sie davon geträumt haben, erwachsen zu werden, auszuziehen, unabhängig zu sein und ein neues Leben zu beginnen.

Wie Tausende anderer junger Griechen auch ist meine Bekannte in Maßnahmen der griechischen Arbeitsagentur (OAED) für Arbeitslose beschäftigt. In unserem Gespräch vor Weihnachten erzählte sie mir, dass ihre Einarbeitung im August stattfand und sie im September zu arbeiten begonnen hat. "Wir werden 'irgendwann' bezahlt und hoffen, dass wir am Jahresende 300 Euro für den Ausbildungsmonat bekommen", sagte sie mir sehr beherrscht. "Das wäre toll, denn dann hätte ich über die Feiertage etwas Geld!" Aber nein. Sie hat kein Geld bekommen. Aus der Traum.

Dankbar für Pseudo-Jobs

Eine andere Freundin hat die Lage gut zusammengefasst: "Ich werde verrückt, wenn ich Nachrichten schaue. Es ist unglaublich, dass die Politiker noch im Amt sind, die entschieden haben, dass wir fünf Monate lang unentgeltlich in Pseudo-Jobs arbeiten sollen, um die Arbeitslosenquote zu senken." Die Freundin meinte damit die oben erwähnten Maßnahmen der Arbeitsagentur. Sie sagte weiter: "Und wir sind auch noch dankbar dafür... Wir haben noch nicht einmal die Aussicht auf einen auskömmlichen Job und ein gutes Leben."

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