Krieg in Libyen:Rebellen bejubeln Einnahme von Ölhafen

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Nach einigen Rückschlägen melden die Gaddafi-Gegner einen Erfolg: Angeblich eroberten die libyschen Rebellen die strategisch wichtige Hafenstadt Brega - und kontrollieren somit auch die wichtigsten Ölfelder des Landes. Machthaber Gaddafi startete inzwischen eine neue diplomatische Initiative.

Der strategisch wichtige Ölhafen Brega ist offenbar wieder in der Hand der libyschen Rebellen. Die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi seien nach dreiwöchigen Kämpfen besiegt worden, Brega sei befreit, erklärte ein Sprecher der Rebellen der Nachrichtenagentur AP.

Rebel fighters stand guard outside Al-Galah hospital in Benghazi

Die libyschen Rebellen melden, dass die strategisch wichtige Hafenstadt Brega eingenommen ist.

(Foto: REUTERS)

Die Aufständischen hatten Brega im März schon einmal kurzzeitig eingenommen, die Stadt wurde dann aber wieder von den Regierungstruppen zurückerobert. Wer die Kontrolle über den Hafen Bregas hat, kontrolliert auch die wichtigsten Ölfelder des Landes. Einzelheiten zu den Kämpfen oder zur Zahl der Opfer nannte der Rebellensprecher nicht. Die Regierung in Tripolis äußerte sich zunächst nicht.

Nach einer Reihe von Rückschlägen konnten die Aufständischen auch an einer anderen Front Fortschritte vermelden. So stürmten am Donnerstag Hunderte Rebellen nach einem mehrstündigen Kampf die Kleinstadt Nasser City, die sich etwa 25 Kilometer südlich der Küstenstadt Sawija befindet. Sawija wiederum liegt nur 50 Kilometer westlich von Tripolis. Damit ist Nasser City bislang der Ort, der der Hauptstadt Tripolis am nächsten liegt.

Libyscher Außenminister besucht Athen

Unterdessen sandte Diktator Gaddafi seinen Außenminister Abdulati al-Obeidi nach Athen. Der Minister traf sich mit seinem griechischen Amtskollegen Stavros Lambrinidis. Wie das griechische Außenministerium mitteilte, soll al-Obeidi eine Nachricht Gaddafis überbringen.

Der Besuch soll mit den Bemühungen der vergangenen Tage zusammenhängen, eine politische Lösung des Konfliktes in Libyen zu finden. Erklärungen werde es nach dem Treffen nicht geben, hieß es weiter. Die neuen EU-Sanktionen verbieten einem libyschen Mineralölkonzern und einer Entwicklungsgesellschaft Geschäfte in der EU.

Es war unklar, ob al-Obeidi auch andere Länder der Region besuchen wird. Griechenland hat seine Botschaft in der libyschen Hauptstadt Tripolis geschlossen und ein Verbindungsbüro in Bengasi eröffnet, wo der Nationale Übergangsrat Libyens seinen Sitz hat. Athen pflegt aber weiterhin Beziehungen zu beiden Seiten des Libyenkonflikts.

Russland verschärft Sanktionen gegen Libyen

Russland verschärfte seine Sanktionen gegen Libyen an diesem Freitag. Präsident Dmitrij Medwedjew setzte mit seiner Unterschrift unter ein Dekret mehrere Strafmaßnahmen um, die der UN-Sicherheitsrat bereits Mitte März mit der Resolution 1973 für den Libyen-Einsatz beschlossen hatte. Durch die Sanktionen werden Konten von Gaddafi sowie von Mitgliedern seiner Familie und seiner Führungsriege gesperrt. Sie dürfen künftig auch nicht mehr nach Russland reisen. Für libysche Flugzeuge ist der russische Luftraum in Zukunft gesperrt.

Warum Moskau die Sanktionen erst jetzt umsetzte, erklärte der Kreml nicht. Im Februar hatte Russland bereits Waffenverkäufe an Libyen verboten. Obwohl Moskau durch den Verzicht auf ein Veto den Libyen-Einsatz erst möglich machte, hat die Regierung seitdem die Nato-Luftangriffe in Libyen regelmäßig kritisiert. Russland hält Kontakt sowohl zu Vertretern Gaddafis als auch zu den für seinen Sturz kämpfenden Rebellen.

UN-Generalsekretär mahnt alle Konflikt-Parteien zu Zurückhaltung

In einer Erklärung hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterdessen alle Parteien zu extremer Vorsicht bei ihrem Vorgehen aufgerufen, um in Zukunft den Verlust an Leben zu reduzieren. Er reagiert damit auf die steigende Zahl ziviler Opfer in Libyen. Auf Nachfrage, ob sich dies auch an die Nato-Truppen richte, erklärte eine UN-Sprecherin, Ban habe sich an "alle Parteien" gerichtet.

Ban hatte von Anbeginn den Nato-Einsatz in Libyen unterstützt, der auf einer Resolution des UN-Sicherheitsrats von März basiert. Der Rat reagierte damit auf den drohenden Sturm der Truppen Gaddafis auf Bengasi. Die Nato konnte zwar das befürchtete Blutbad verhindern, doch herrscht seit Monaten am Boden ein Patt zwischen den Konfliktparteien.

Die UN-Vetomächte Russland und China ebenso wie die nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats, Südafrika, Brasilien und Indien, werfen der Nato vor, das ursprüngliche UN-Mandat überschritten zu haben, da sie nicht nur einseitig für die Rebellen Partei ergriffen habe, sondern auch selbst immer wieder zivile Opfer verursache. Die Nato weist diese Vorwürfe zurück.

Der britische Sender BBC wird sein Programm in Kürze auch über UKW in den Städten Bengasi und Misrata ausstrahlen. Der arabische Dienst der BBC ist derzeit in Libyen auf Fernsehgeräten und über Kurz- und Mittelwellenradios zu empfangen. Über die neuen UKW-Frequenzen soll eine Mischung aus dem Rundfunkprogramm in Arabisch und dem englischen Dienst gesendet werden, wie die BBC am mitteilte.

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