Krieg in der Ostukraine Angst um Frieden in Mariupol

Ukrainische Soldaten des Asow-Bataillons während einer Gefechtspause in der Nähe der Frontlinie bei Mariupol.

(Foto: Getty Images)
  • Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten sollen Teile ihrer schweren Waffen abgezogen haben.
  • Trotzdem wächst die Sorge um die Stadt Mariupol. Ein Armee-Sprecher behauptet, die Separatisten würden dort einen Abtransport der Waffen nur vortäuschen.
  • Mariupol gilt als wahrscheinliches nächstes Ziel der Rebellen. Im nur wenige Kilometer entfernten Dorf Schirokino liefern sich Armee und Separatisten weiter Gefechte.
Von Florian Hassel, Mariupol

Trotz einer gemäßigt positiven Einschätzung des ukrainischen Präsidenten zum Abzug schwerer Waffen wächst die Sorge um neue Kämpfe in der ostukrainischen Stadt Mariupol. Vertreter der Stadt und des ukrainischen Militärs äußerten sich besorgt und sprachen von einem Scheinrückzug der Aufständischen. Präsident Petro Poroschenko lobte verhalten den Abzug schwerer Waffen auf beiden Seiten, allerdings sagte ein Militärsprecher, um die Stadt Donezk herum würden Waffenlager angelegt.

Die ukrainische Armee habe "den Löwenanteil" ihrer Raketen und schweren Artillerie von der Frontlinie abgezogen, sagte Poroschenko im Staatsfernsehen. Auch "die von Russland unterstützten Kämpfer haben einen bedeutenden Teil abgezogen", betonte er. An der 485 Kilometer langen Front gebe es derzeit mit wenigen Ausnahmen kein Artilleriefeuer.

Dennoch zeigte sich die ukrainische Armee sehr besorgt über die Lage in der strategisch wichtigen Stadt Mariupol am Asowschen Meer. "Wir beobachten bei den Rebellen lediglich eine Imitation des Abzugs schwerer Waffen", sagte Oleg Suschinskij, Armee-Sprecher in Mariupol, der Süddeutschen Zeitung. "Tagsüber ziehen die Rebellen ein paar schwere Waffen ab, um sie an anderen Positionen, wie aufgegebenen Bauernhöfe, zu verstecken. Oder sie bringen die Geschütze nach Einbruch der Dunkelheit auf die alten Positionen zurück."

Geschützdonner bis nach Mariupol

Mariupol gilt als wahrscheinliches nächstes Ziel der vom russischen Militär gestützten Rebellen, sollten die Separatisten sich entscheiden, einen Landweg zur annektierten Krim zu erobern. Zwanzig Kilometer östlich von Mariupol stehen sich Einheiten der Rebellen und des ukrainischen Militärs beim Dorf Schirokino gegenüber. Dort gab es zuletzt viele Schusswechsel. Der Geschützdonner war am Dienstag bis nach Mariupol zu hören.

Generell sei die Lage weiter sehr angespannt, sagte Armeesprecher Suschinskij. Er kritisierte, dass der Abzug der schweren Waffen auf Rebellenseite von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht flächendeckend überwacht werden könne. "Die OSZE hat uns gerade bestätigt, dass die Rebellen ihren Beobachtern nach wie vor keinen uneingeschränkten Zugang gewähren, um den Abzug der schweren Waffen zu überprüfen", sagte der Bürgermeister von Mariupol, Jurij Chotlubej, der SZ. "Wenn sich die Lage zuspitzt, haben wir schwere Waffen in wenigen Stunden in Mariupol in Position gebracht", ergänzte Suschinskij.

In Kiew sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko, die militärische Lage habe sich in den letzten Tagen "deutlich verschlechtert". Statt bis zu sechs täglichen Zusammenstößen wie nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes habe es etwa am Montag 31 Schusswechsel gegeben. Er warf den Separatisten vor, nahe Donezk Waffendepots einzurichten. Unabhängig überprüfen soll dies die OSZE, deren Kontingent auf tausend Mitarbeiter verdoppelt und auch mit mehr Befugnissen ausgestattet wird. Poroschenko zufolge sind seit Beginn der Waffenruhe 64 ukrainische Soldaten gestorben. Diese Zahl schließt offenbar nicht die Tote in Debalzewe ein.