Klimaschutz Treibhausgase auf Rekordniveau

Das Wirtschaftswachstum lässt den Energieverbrauch weltweit steigen wie seit zehn Jahren nicht. Die Pariser Klimaziele geraten in weite Ferne, aber in Deutschland sinken die Emissionen.

Von Christoph von Eichhorn

Die Treibhausgas-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Kraftstoffe haben 2018 einen Rekord erreicht. Öl, Kohle, Gas und andere Brennstoffe setzten insgesamt 33,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO₂) in die Atmosphäre frei, das ergab eine Auswertung der Internationalen Energieagentur IEA. Der Energiebedarf wuchs global um 2,3 Prozent, so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr, als sich die Welt gerade von der Finanzkrise erholt hatte. Zugleich warnte die Meteorologie-Organisation der Vereinten Nationen in einem neuen Bericht, dass die Folgen des Klimawandels immer stärker zu spüren seien. 2018 sei der Meeresspiegel auf einen neuen Höchstwert gestiegen. 35 Millionen Menschen waren von Überschwemmungen betroffen, in Europa, Japan und den USA gab es 1600 Todesfälle aufgrund von Hitzewellen und Waldbränden.

Mehr als drei Jahre nachdem sich die Staatengemeinschaft in Paris auf einen Klimavertrag verständigt hat, sieht die Bilanz beim Klimaschutz damit düster aus. Die Zuwächse bei den erneuerbaren Energien, immerhin vier Prozent im vergangenen Jahr, reichen nicht aus, um das Wachstum im Bereich der klimaschädlichen fossilen Energiequellen zu stoppen. Auch die Fortschritte beim effizienteren Umgang mit Energie blieben 2018 unter den Werten, die nötig wären, um die Erderwärmung zu bremsen. Als Hauptursache für den gestiegenen Energiehunger nennt die IEA das globale Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent.

Vor allem die Nachfrage nach Gas steigt derzeit rasant. In China wuchs der Gasverbrauch um 18 Prozent, in den USA um zehn Prozent, der größte Sprung seit den 1950er-Jahren. In Bezug auf die Emissionen ist das nicht ausschließlich negativ, da Gas etwa in den USA vermehrt Kohle ersetzt. Moderne Gaskraftwerke stoßen weniger CO₂ aus als Kohlekraftwerke. Doch auch der Kohleverbrauch stieg um 0,7 Prozent, weil viele Entwicklungs- und Schwellenländer auf diese dreckigste, aber häufig auch günstige Form der Stromerzeugung setzen.

Eine Ausnahme bildet Europa, wo die Emissionen um 50 Millionen Tonnen CO₂ oder 1,7 Prozent sanken. In Deutschland gingen sie sogar um 4,5 Prozent zurück. Hierzulande brach die Verbrennung von Kohle und Öl ein, während die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft auf den Rekordwert von 37 Prozent im Strommix kletterte. Auch in Großbritannien, Frankreich und Japan gingen die Emissionen zurück. Die erneuerbaren Energien sind weltweit auf Wachstumskurs, allein die Stromerzeugung mit Photovoltaik wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent, die Windkraft um zwölf Prozent.

Der Weltklimavertrag sieht vor, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Damit ließen sich nach Einschätzung von Klimaforschern die schlimmsten Folgen des Klimawandels für Ökosysteme und Menschen abmildern. Dazu müssten die menschgemachten Treibhausgase bis etwa 2050 auf null sinken. Die Staatengemeinschaft ist von diesen Zielen jedoch weit entfernt.