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Klimaschutz:Marsch durch die Institutionen

In der Bewegung "Fridays for Future" tobt eine altbekannte Debatte: Soll man außerparlamentarisch Druck machen oder in Parteien eintreten und sich in Parlamente wählen lassen? Beide Wege sind nötig.

Von Michael Bauchmüller

Manche wollen ins Parlament, weil sich auf der Straße das Klima nicht retten lässt. Andere setzen weiter auf Großdemos und den Druck der Straße, weil ihnen die Parlamente für echten Klimaschutz zu lahm sind. Und wer hat recht? Beide.

Nun machen sich die ersten Vertreter der "Fridays for Future" auf den langen Marsch durch die Institutionen: Jakob Blasel etwa, der gern für die Grünen in den Bundestag einziehen würde. Viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter empört das. Der Klimaschutz kenne keine Kompromisse, finden sie. Und also auch keine Kompromisse im Parlament, die doch letztlich nur Zeitverzug bedeuteten. Es ist die Radikalität derer, für die das Ziel alles ist und der Weg dorthin fast egal.

Doch so schmerzhaft es für sie sein mag: Genau diese zähe Suche nach Kompromissen braucht es. Sicher lässt sich ein Kohlekraftwerk auch so abschalten oder der Verbrennungsmotor mal eben verbieten. Ohne einen Plan für das Danach, ohne einen Ausgleich der Interessen, ohne die zähen Debatten darüber aber zerfällt die Gesellschaft und mit ihr die Demokratie. Schlecht allerdings wäre es, würden die "Fridays for Future" ihrerseits über die Frage nach dem richtigen Weg zerfallen. Ohne sie, ohne ihren massiven Protest, hätte so mancher Kompromiss dem Klima weniger gedient.

© SZ vom 25.08.2020

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