Kim-Onkel hingerichtet:Es bleibt in der Familie

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Kim Il Sung Kim Jong Il Kim Jong Un

Kim Il Sung und sein Sohn und späterer Nachfolger Kim Jong Il auf einem Bild aus dem Jahr 1992

(Foto: AFP)

Die Kim-Diktatoren stilisieren sich gerne als väterliche Herrscher über das Volk. Doch was passiert, wenn einer von ihnen Verwandte umbringen lässt? Das Schicksal seiner Tante, der Witwe des ermordeten Jang Song Taek, könnte zeigen, welche Absichten Kim Jong Un hegte.

Herrscherdynastien, die ihre Konflikte untereinander blutig austragen: Was im Jahr 2013 eigentlich nur noch in düsteren Shakespeare-Inszenierungen stattfindet, ist plötzlich zum realen politischen Drama geworden.

Mit der Hinrichtung seines Onkels Jang Song Taek setzt Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ein Zeichen, das die Welt rätseln lässt. Wo liegen die wahren Hintergründe? Signalisiert Kim damit Schwäche oder Stärke? Und auch diese Frage stellt sich: Was bedeutet dies für die Kim-Familie, die sich stets als Staatsdynastie präsentiert hat?

Dass die Kim-Dynastie sich hoher Funktionäre und sogar Verwandter entledigt, ist nicht neu - allerdings geschah dies seit Jahrzehnten im Geheimen. "Wir haben aber so etwas Öffentliches und Dramatisches seit 1950 nicht gesehen, als Kim Jong Uns Großvater Kim Il Sung seine letzten großen Rivalen eliminierte", sagte deshalb der Historiker Charles K. Armstrong der New York Times.

Hat sich der junge Diktator mit der Hinrichtung Jang Song Taeks über die ungeschriebene Regel "Ein Kim tötet keinen Kim" hinweggesetzt, von der ausländische Geheimdienste ausgegangen waren? Nicht direkt: Der Onkel ist kein Blutsverwandter, sondern der Ehemann von Kim Kyong Hui, der jüngeren Schwester von Kim Jong Il, dem Vater und Vorgänger des heutigen Machthabers.

Mythos vom "großen" und "geliebten" Vater

Gerade um Kim Jong Il erschuf die Regimepropaganda in den vergangenen Jahrzehnten einen regelrechten Familien- und Vaterkult. Das Konzept: Der "große" oder "geliebte" Vater sorge mit seiner Sippschaft als kleine Familie um das Wohl von Partei und "großer Familie", also dem Volk. Diese Logik rechtfertigt die Weitergabe der Macht von Generation an Generation.

Dazu passend, fördert die Regierung einen nordkoreanischen Nationalismus, in dem entgegen der koreanischen Tradition nicht die Familie, sondern Staat und Volk die wichtigste Gemeinschaft bilden.

In dieses Narrativ lässt sich theoretisch auch die Hinrichtung eines Verwandten einbetten: "Die Botschaft lautet, dass Korruption mit dem Tode bestraft wird, und niemand dem entgehen kann. Nicht einmal Familienmitglieder", sagte der Nordkorea-Experte Jong Chang-hyun von der Universität Seoul dem Economist.

Was dies für Kim Kyong Hui, die Tante des Diktators bedeutet, ist unklar. Die Vier-Sterne-Generalin ist Mitglied der Nationalen Verteidigungskommission sowie Sekretärin des Politbüros und galt wie ihr Ehemann als graue Eminenz. Als direkte Verwandte der Kim-Herrscher wird sie aber noch stärker als Teil des "Familienbetriebes" wahrgenommen. Eigentlich ist es angesichts des Ehrverlustes schwer vorstellbar, dass sie in ihren Ämtern bleibt, zumal ihr immer wieder Gesundheitsprobleme nachgesagt werden.

Was wird aus Jangs Witwe?

Würde sie ein ähnliches Schicksal wie ihr Ehemann ereilen, könnte die Führung jedoch unwiderruflich destabilisiert werden, fürchten Beobachter. Womöglich wird Kim Jong Un seine Tante erst nach einiger Zeit zum Rückzug zwingen, um den Generationswechsel geräuschlos zu vollenden.

Wie immer in Nordkorea gibt es aber auch ein anderes Gerücht, aus dem das komplette Gegenteil abzuleiten wäre: Dem in Südkorea ansässigen "North Korea Strategic Information Service Center" (NKSIS) zufolge war es Jangs Ehefrau höchstselbst, die die Entmachtung des mächtigen Funktionärs einleitete.

Demnach war auch Kim Jong Chul, der ältere Bruder des Diktators, an der Aktion beteiligt. Der 32-Jährige hatte zuletzt im Parteiapparat nur mittlere Ränge besetzt. Sollte dies zutreffen, könnte die Hinrichtung sogar die Stärkung der Familiendynastie zum Ziel gehabt haben.

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