Keith Alexander:Ex-NSA-Chef macht jetzt in Cybersicherheit

186412278

Ex-NSA-Chef Keith Alexander macht jetzt in Cybersicherheit.

(Foto: AFP)

Der ehemalige NSA-Chef Keith Alexander will künftig Unternehmen gegen Cyberspionage schützen. Liegt irgendwie nahe. Das Engagement des Ex-Geheimdienstlers wirft aber viele Fragen auf - nicht nur wegen des gewünschten Honorars von einer Million Dollar pro Monat.

Gegen die staatliche Massenüberwachung der NSA lässt sich wenig ausrichten. Diese bittere Erkenntnis ist bisher die einzige wirklich greifbare Folge des größten Ausspäh-Skandals der Geschichte, den der Whistleblower Edward Snowden vor mehr als einem Jahr aufgedeckt hat. Keine negativen Folgen hatte er jedenfalls für die, die direkt daran beteiligt waren. Ex-NSA-Chef Keith Alexander zum Beispiel, der im März aus dem Dienst schied. Der ehemalige Geheimdienstler hat, so berichtet es das Magazin Foreign Policy, schon einen neuen Job in Aussicht: Er will Unternehmen in Sachen Cybersicherheit beraten.

Der Ex-Chef der NSA hat eigenen Aussagen zufolge eine Technologie entwickelt, die es Firmen erleichtern soll, tückische Spähangriffe zu erkennen - und zwar solche, die in der Cybersicherheit als "fortgeschrittene, andauernde Bedrohung" bezeichnet werden. Dafür will Alexander bis zu neun Patente anmelden, so das Magazin - und von den Banken, Handelsorganisationen und Großkonzernen ordentlich abkassieren. Dem Ex-General schwebt ein Honorar von einer Million Dollar vor - pro Monat.

Eine völlig neue Technologie?

Es sei das erste Mal, dass ein ehemaliger NSA-Chef Patente anmelde, die so direkt mit seiner Arbeit für die Regierung zu tun hätten, schreibt Foreign Policy. Das Urheberrecht auf Technologien, die Alexander im Laufe seiner Tätigkeit für die NSA erfunden hat, liegt nach wie vor bei der Behörde. Der Ex-NSA-Chef betont allerdings, dass die gerade entwickelten Patente nichts mit seiner Arbeit als Geheimdienstler zu tun haben und auf einer völlig neuen technischen Grundlage basieren.

Doch Foreign Policy meldet Zweifel an. Alexander müsse nun erst einmal nachweisen, dass die neue Methode wirklich vollkommen anders sei als Technologien zur Cybersicherheit, die er bereits zu NSA-Zeiten verwendet hatte. Alexanders Argument: Die neue Technik nutze "Verhaltensmodelle", die voraussagen sollen, was Hacker tun werden. Anstatt Eindringlinge durch Software-Analyse auf frischer Tat zu ertappen, sollen sie schon vorher entdeckt werden. Warum er diese Methode nicht schon in seiner Zeit als NSA-Chef verwendet habe? Er habe sie erst dank der Mitarbeit eines externen Partners bei seiner neuen Firma "IronNet Cybersecurity Inc." entwickeln können, sagt Alexander.

Foreign Policy beurteilt das etwas anders. Nach allem, was bisher über die neue Technologie bekannt sei, unterscheide sich diese nicht besonders von NSA-Abwehrtechniken. Und selbst wenn sie technisch neu sein sollte, so sei ihre Entwicklung doch geprägt von den Einblicken, die Keith Alexander in seiner Zeit als NSA-Chef erhalten habe.

Und dabei handelte es sich um Einblicke, die ein normaler Cyber-Experte aufgrund ihrer Brisanz nie so umfassend erlangen könnte.

© Süddeutsche.de/beitz/mati/sekr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB