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Kaufhäuser:Fusion als letzte Rettung

Der Wettkampf zwischen Karstadt und Kaufhof ist vorbei.

Von Michael Kläsgen

Es ist ein Irrglaube anzunehmen, eine Fusion von Karstadt und Kaufhof ziehe automatisch einen Kahlschlag an Arbeitsplätzen nach sich. Ein massiver Stellenabbau ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil Karstadt-Eigentümer Benko draufzahlen müsste, wenn er laufende Mietverträge und langjährigen Mitarbeitern kündigen würde. Das käme ihn noch teurer zu stehen, als die defizitären Kaufhof-Filialen weiter zu betreiben.

Die bittere Wahrheit ist, dass die kanadischen Eigentümer Kaufhof in Grund und Boden gewirtschaftet haben. Vor Kurzem war Kaufhof noch erfolgreich und Karstadt in der Bredouille. Heute ist es umgekehrt. Karstadt macht Gewinn, und bei Kaufhof türmen sich die Verluste. Das liegt im Wesentlichen am Missmanagement der Kanadier, an ihrem verfehlten Sortiment, an absurden Rabattschlachten und gierigen Mieterhöhungen. Diese Mischung aus Unfähigkeit und Ignoranz ist die eigentliche Gefahr für die Mitarbeiter.

Sie können froh sein, wenn das kanadische Abenteuer endet und Kaufhof nicht pleitegeht. Dann wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Job los. Wenn es aber zur Fusion kommen sollte, könnte dies ihre Arbeitsplätze retten. Der Wiederaufstieg von Karstadt zeigt, dass Warenhäuser in deutschen Innenstädten durchaus eine Zukunft haben, wenn sie gut geführt werden.

© SZ vom 06.07.2018

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