Katholiken "Es würde der Kirche guttun"

Papst Franziskus will klären lassen, ob Frauen Diakone werden dürfen. Sein Vorstoß überrascht sogar den Vatikan.

Von Matthias Drobinski

Papst Franziskus eröffnet die Diskussion über das Diakonat von Frauen in der katholischen Kirche neu. Die Überraschung passiert beiläufig, beim Treffen von 900 Ordensoberinnen aus aller Welt. Die Frauen dürfen ein paar Fragen in der Audienz stellen. Die Fragen sind ziemlich kritisch. Eine lautet: "Was hindert die Kirche, Frauen als Ständige Diakone einzuschließen, wie in der frühen Kirche? Warum sollte man nicht eine offizielle Kommission einberufen, die diese Frage studiert?" Das ist heikel: Papst Johannes Paul II. hat 1994 die Debatte über Priesterinnen in der katholischen Kirche für endgültig beendet erklärt. Und weil die Diakonenweihe ein Schritt zur Priesterweihe ist, gilt das päpstliche Basta auch für das Diakonat der Frau - dachte man bis zu diesem Donnerstag.

Die Debatte, die Johannes Paul II. für endgültig beendet erklärt hatte, ist wieder in der Welt

Denn da antwortet Franziskus der Ordensfrau: Vor ein paar Jahren hätte er mit einem "guten und weisen" Professor gesprochen, der über das Thema geforscht habe. Ihm, dem Papst sei aber unklar geblieben, welche Rolle diese Diakoninnen in der frühen Kirche gehabt hätten. Und so sei ihm auch nicht ganz klar, welche Rolle sie heute spielen könnten. "Soll man eine offizielle Kommission konstituieren, die diese Frage studiert?", fragt der Papst sich selber. Und antwortet: "Ich glaube, ja. Es würde der Kirche guttun, diesen Punkt zu klären." Er würde sich dafür einsetzen, "irgendetwas in dieser Art zu tun".

Damit ist die Debatte wieder in der Welt, die Papst Johannes Paul II. endgültig erledigt sehen wollte. Bei Männern ist die Diakonenweihe die unterste der drei Weihestufen, über ihr stehen die Priester- und die Bischofsweihe. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es auch sogenannte Ständige Diakone; sie können verheiratet sein und einen Beruf in und außerhalb der Kirche haben. Diakone können taufen, aber keine Eucharistie feiern oder andere Sakramente spenden. Wenn Frauen schon nicht Priesterin werden können, dann wenigstens Diakonin, das fordern Frauen in der katholischen Kirche schon seit vielen Jahren. Schließlich habe es in den ersten Jahrhunderten Diakoninnen in der Kirche gegeben. Die amtliche Antwort auf dieses Argument lautet bisher: Diese Frauen hätten sich ums Soziale gekümmert und keine Funktion am Altar gehabt, deshalb könne es keine Weihe von Frauen geben. Zuletzt aber hatten sich der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper und der scheidende Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, für ein Frauendiakonat ausgesprochen; Lehmann mit dem Nachsatz: "Leider dauert es schon zu lange, bis in Rom eine Entscheidung fällt."

Jetzt erfährt die Debatte eine überraschende Beschleunigung. Wie eine solche Kommission aussehen und zu welchem Ziel sie taugen könnte, ist völlig unklar. Und es kann auch sein, dass Franziskus am Ende sagt: Alles bleibt, wie es ist. Ein arg überraschter Vatikansprecher Federico Lombardi jedenfalls sagt am Nachmittag, es handle sich um eine spontane Äußerung des Papstes.