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Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch:Schluss nach neun Jahren

Johannes-Wilhelm Rörig

Seit Dezember 2011 im Amt: Johannes-Wilhelm Rörig, 61.

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Bundesbeauftragter Johannes-Wilhelm Rörig hört nach der Bundestagswahl vorzeitig auf.

Von Annette Zoch, München

Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhem Rörig, legt sein Amt vorzeitig nieder. "Nach mehr als neun Jahren werde ich mich zum Ende dieser Legislaturperiode zurückziehen, auch um mich neuen Herausforderungen stellen zu können", teilte der 61-Jährige überraschend am Freitag in Berlin mit. Regulär wäre er bis 2024 im Amt gewesen.

Trotz "geringer Ressourcen und ohne gesetzlichen Auftrag" sei es gelungen, zukunftsfähige Strukturen der Betroffenenbeteiligung und der unabhängigen Aufarbeitung auf Bundesebene zu etablieren, sagte Rörig. Er forderte die Bundesregierung auf, das Amt weiter zu stärken und auf gesetzlicher Grundlage dauerhaft fortzuführen.

Rörig hatte das Amt im Dezember 2011 von der SPD-Politikerin Christine Bergmann übernommen, deren Büroleiter er lange war. Unter Rörig hatte das Amt merklich an Profil gewonnen - der aus Kassel stammende Jurist galt als hartnäckig. Von Beginn an sei es ihm wichtig gewesen, Betroffene einzubeziehen, sagte er.

Rörig handelte Vereinbarungen zur Vorbeugung aus, pochte immer wieder auf unabhängige Aufarbeitung, geriet darüber auch mit Institutionen in den Clinch, zum Beispiel mit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Unter Rörig wurde ein Betroffenenrat eingerichtet, und eine unabhängige Aufarbeitungskommission. Auch Gesetze wurden nicht zuletzt auf seine Forderungen hin geändert: Unter anderem setzte der Bundestag strafrechtliche Verjährungsfristen für Missbrauchstäter herauf.

Der Rückzug kommt nun trotz dieser Erfolgsbilanz überraschend. "Zu den Hintergründen des Rückzugs von Herrn Rörig zu diesem Zeitpunkt könnte ich nur spekulieren", sagte Betroffenenvertreter Matthias Katsch, der selbst im Betroffenenbeirat des UBSKM sitzt, der SZ. "Ich denke, er war einerseits zunehmend frustriert über die Schwerhörigkeit der Politik beim Kampf gegen Missbrauch." Andererseits habe er aber sein Haus bestellt. Katsch fordert nun eine "Kraftanstrengung, um mit dem Instrumentarium, das Johannes-Wilhelm Rörig wesentlich geschaffen hat auf Bundesebene, den Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu intensivieren".

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