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Kampf gegen IS:Allianz fliegt erneut Angriffe auf Kobanê

  • Die von den USA geführte Allianz hat erneut Stellungen der Terrormiliz IS nahe Kobanê (Ain al-Arab) in Nordsyrien angegriffen.
  • Bei den Luftangriffen wurden laut der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehrere IS-Kämpfer getötet.
  • Australien und Frankreich wollen ihren Kampf gegen den IS nun verstärken. Auch die Türkei will sich militärisch beteiligen.
  • Einer Quelle zufolge soll der IS nun auch drei Frauen enthauptet haben.

Die Angriffe auf Kobanê

Die USA und ihre arabischen Verbündeten haben nahe der eingeschlossenen nordsyrischen Stadt Kobanê (Ain al-Arab) erneut die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bombardiert. Das Bündnis habe IS-Ziele östlich der Stadt angegriffen, sagte der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobanê, Anwar Muslim.

Die oppositonsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von mehreren Toten auf Seiten des IS. Nach kurdischen Angaben sollen die Kampfflugzeuge auch einen Panzer zerstört haben. Ein kurdischer Kommandeur sprach von mindestens fünf Angriffswellen bei Tageslicht. "Die Jets kreisen noch immer in der Luft", fügte er hinzu. In der Regel greifen die USA und ihre arabischen Verbündeten IS-Ziele in Syrien in der Nacht an.

Muslim sagte, die Kämpfe zwischen Kurden und der Terrormiliz gingen weiter. Die Extremisten hätten Verstärkung von neuen Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten. Der IS versucht seit Wochen die Grenzstadt Kobanê einzunehmen, inzwischen sind die Extremisten nur noch zwei Kilometer von der Stadt entfernt.

Internationale Reaktionen auf Kampf gegen IS

Angesichts des Vormarschs des IS will sich die Türkei nun doch am Kampf gegen den IS beteiligen, auch die Entsendung von Bodentruppen ist im Gespräch. Das nordsyrische Kobanê liegt direkt an der türkischen Grenze. Die türkische Regierung hat zwei Anträge eingebracht, über die an diesem Donnerstag im Parlament entschieden werden soll. Dabei geht es um mögliche militärische Einsätze in Syrien und im Irak.

Frankreich und Australien wollen indes ihren Einsatz gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" verstärken. Die Aussagen der französischen Regierung blieben am Mittwoch jedoch recht vage. Der Einsatz solle umfassend und schlagkräftig sein, "um die gesetzten Ziele zu erreichen", hieß es aus dem Élysée-Palast.

Seit Mitte September beteiligen sich französische Kampfflugzeuge an US-geführten Luftangriffen auf die Stellungen der Terrormiliz. Es gehe darum, die bewaffneten Terroristen zu schwächen und es dem irakischen Militär zu ermöglichen, Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen, teilte der Élysée-Palast nach einer Ministerrunde mit Präsident Hollande zur Lage im Irak mit.

Australien will Ministerpräsident Tony Abbott zufolge ab Mittwoch Kampfjets über den Irak fliegen lassen. Ob das Land auch selbst Luftschläge ausführen wird, steht jedoch noch nicht fest. "Australische Luftangriffe warten noch auf die endgültige Freigabe durch die irakische Regierung und auf eine weitere Entscheidung von uns selbst", sagte Abbott. Zur Vorbereitung auf den Einsatz schickte die Regierung bereits vergangenen Monat zehn Militärjets und etwa 600 Einsatzkräfte in die Vereinigten Arabischen Emirate.

IS enthauptet angeblich zehn Menschen

Nach Angaben einer oppositionsnahen Beobachtergruppe hat der IS auch erneut Menschen enthauptet. Unter den insgesamt zehn Toten seien fünf kurdische Kämpfer und vier arabische Rebellen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Zudem sei ein kurdischer Zivilist hingerichtet worden. Die sieben Männer und drei Frauen seien am Dienstag etwa 14 Kilometer westlich der belagerten Kurdenstadt Kobanê im Norden des Landes getötet worden.

"Ich weiß nicht, warum sie festgenommen und enthauptet wurden", erklärte der Vorsitzende der Beobachterstelle, Rami Abdulrahman. Mit den meist öffentlich vollstreckten Hinrichtungen wolle die IS-Führung aber in der Regel Gegner und Zivilbevölkerung einschüchtern, um den Widerstand gegen ihre Herrschaft zu schwächen. "Sie wollen die Leuten einschüchtern."

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle steht den gemäßigten Rebellen in Syrien nahe. Bei ihren Angaben stützt sie sich auf ein Netzwerk von Informanten in dem Bürgerkriegsland. Die Angaben zu den Enthauptungen konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

© SZ.de/dpa/Reuters/ahem/odg

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