Junge Nationalisten in Frankreich:Eric ist schwarz - und FN-Aktivist

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Der 27-jährige Eric ist schwarz und bezeichnet sich als FN-Aktivist. Bei den Kommunalwahlen 2014 trat er erstmals als Kandidat für den Front National an, in einer Gemeinde südwestlich von Paris. Auch er hat sich "von Marine Le Pen verführen lassen". Auch er will die Grenzen schließen. "Ich liebe Frankreich", sagt er. So sehr, dass er all diejenigen, die das nicht tun, fortschicken möchte. Stolz kramt er aus seinem Rucksack ein Buch über Jeanne d'Arc hervor, als wäre das der Beweis für seine Liebe zum Vaterland. Dafür, dass er sich weit genug von seinen Wurzeln entfernt hat.

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Junge Nationalisten zeigen Flagge im nordfranzösischen Hénin-Beaumont.

(Foto: AFP)

Rakhman ist 18 Jahre alt, Russe und Moslem, seine Familie stammt aus Tschetschenien, er spricht vier Sprachen und lebt seit drei Jahren in Paris. Für den Front National begann er sich zu interessieren, als er hörte, Marine Le Pen sei ausländerfeindlich. Sie werden dich rauswerfen, haben sie zu ihm gesagt. Doch sie haben ihn nicht rausgeworfen, "weil ich mich an die Gesetze halte".

Als muslimischer Ausländer unterstützt Rakhman eine Partei, die gegen den Islam und Immigranten hetzt. Dass das widersprüchlich ist, sieht er nicht. Für ihn geht es darum dazuzugehören. Rakhman leugnet seine Herkunft nicht. Aber er ordnet sie den "republikanischen Werten" unter, einer französischen Kultur, wie sie sich die jungen Nationalisten erträumen.

Die Aktivisten sollen beweisen, dass die Partei toleranter geworden ist

Eric, Julien und Rakhman, junge Männer mit Migrationshintergrund, die in der französischen Gesellschaft angekommen sind und nun "die Türe hinter sich schließen wollen", wie man in Frankreich sagt. Mit ihnen wirbt der Front National, sie sollen beweisen, dass die Partei toleranter geworden ist. Zugleich geben sie Aufschluss über die PR-Arbeit der Rechtspopulisten, die der Öffentlichkeit nichts lieber präsentieren als Schwarze und Muslime, die auf ihrer Seite stehen und eine Botschaft in die Welt tragen: Die Herkunft spielt keine Rolle, wenn es darum geht, die französische Kultur zu verteidigen. Nur: Was genau soll das sein, die französische Kultur?

David Masson-Weyl sitzt im Café an der Place de la Sorbonne und kaut auf einem Stück Salamibrot mit sauren Gurken. Akkurat ordnet er Armbanduhr, Smartphone und Kreditkarten neben sich auf der Bank an, parallel zur Kante. "Die politischen Eliten halten die historischen Siege Frankreichs für unwichtig", sagt er und nimmt einen Schluck von seinem Diabolo-Drink, einer giftgrünen Minzlimonade. "Doch wir müssen sie feiern." Die Schlacht von Austerlitz zum Beispiel, den Triumph Napoleons über Österreicher und Russen.

Génération perdue: Die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich liegt bei 23 Prozent

David ist 21 Jahre alt, wirkt aber deutlich älter: lichtes Haar, blau-weiß gestreiftes Hemd, sicheres Auftreten. Im März 2014 gründete David eine rechte Studentengruppe. Ihr Manifest beginnt mit den Worten: "Die patriotische und republikanische Jugend Frankreichs ist zu lange still gewesen." Nun mischt sie sich ein in die öffentliche Debatte. Mit David zieht der Rechtspopulismus in die Universitäten ein. "Die jungen Leute denken heute, dass es ihnen schlechter gehen wird als ihren Eltern", sagt David. "Selbst Master-Studenten sind verunsichert."

Die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich liegt bei etwa 23 Prozent, knapp über dem EU-Durchschnitt, lange nicht so hoch wie in Griechenland oder Spanien, wo jeder zweite junge Erwachsene keinen Job hat. Und doch ist in Frankreich von einer "génération perdue" die Rede, von der verlorenen Generation, die nicht nur in eine Wirtschaftskrise hineinwuchs.

Die Krise, die Iseul Turan beklagt, ist eine andere. Die 22-Jährige ist keine FN-Wählerin, aber auch sie hat die Schnauze voll. Deswegen hat sie die Antigonen gegründet, eine Gruppe junger Frauen, die sich gegen den barbusigen Feminismus der Femen-Aktivistinnen richtet. Die Antigonen treffen sich im Café Le Sévigné, auf der anderen Seite der Seine, etwa vier Kilometer vom Forum des Front National entfernt. Im Park nebenan knutscht ein schwules Pärchen. Das Café ist nach der Marquise de Sévigné benannt, einer Autorin des 17. Jahrhunderts, die sich in ihren Briefen als liebende Mutter an ihre Tochter wendet.

"Ich verstehe Werte als etwas, wofür man sterben würde"

Auf ihrer Internetseite präsentieren sich die Antigonen mit der romantischen Darstellung einer Mutter, die ihr Kind stillt. Mit rosigen Wangen und geschlossenen Augen reicht sie dem Säugling die Brust. In dem Bild liegt die Sehnsucht, wieder Mutter und Frau sein zu dürfen in einer Zeit, in der feministische Aktivistinnen alte Rollenbilder sprengen wollen. "Viele von uns kommen aus kaputten Familien", sagt eine der Antigonen.

Es ist das unbestimmte Gefühl, dass etwas kaputt gegangen ist in der Gesellschaft, dass etwas Wesentliches fehlt. Junge Franzosen wie Mathilde, David oder Iseul suchen nach klaren Grenzen, klaren Strukturen, klaren Identitäten. Für sie gibt es kein Dazwischen. "Entweder du bist Franzose oder du bist Algerier", sagen die jungen Nationalisten des Front National. "Entweder du bist ein Mann oder du bist eine Frau", sagen die Antigonen. Die einen ärgern sich über die doppelte Staatsbürgerschaft, die anderen über die Gendertheorie.

Präsident Hollande ist eine Witzfigur, die das Land lächerlich macht

"Ich verstehe Werte als etwas, wofür man sterben würde", sagt Iseul, die Anti-Femen-Aktivistin. Sterben würde sie für ihre Familie - und für Gerechtigkeit. Wie Antigone, die ihren Bruder beerdigt, gegen das Verbot des Königs. Mit ihren Antigonen zieht Iseul von Botschaft zu Botschaft, von der tunesischen zur russischen, um sich für die Femen-Aktionen in den jeweiligen Ländern zu entschuldigen. Und für ihren Präsidenten François Hollande, der Femen unterstützt.

Für Iseul ist Hollande eine Witzfigur, die ihr Land lächerlich macht. Für den Front National ist er ein Glücksfall: Selten war es einfacher, den politischen Gegner zu verspotten, besonders nach der dritten Regierungsumbildung innerhalb von zwei Jahren. "Man muss sich eines bewusst machen", twittert der Junge Front National, "wenn es Hollande gelingt, seine eigene Partei zu zerstören, wäre er einer der besten Präsidenten, die Frankreich je hatte."

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