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US-Wahl:Der Mann mit der Ahnung

Ted Kaufman

Er hat jetzt die Aufgabe, auf politische Gegner zuzugehen: der frühere US-Senator Ted Kaufman, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2010.

(Foto: Tom Williams/Roll Call via Getty Images)

Ted Kaufman, ein alter Gefährte von Joe Biden, leitet das Übergangsteam des gewählten Präsidenten. Und muss gegen eine feindlich eingestellte Trump-Administration kämpfen. Wie praktisch, dass Kaufman die Gesetze für den Übergang selbst geschrieben hat.

Von Thorsten Denkler, New York

Es ist immer gut, jemandem im Team zu haben, der sich auskennt. Und Joe Biden hat da so einen im Team. Es ist der frühere Senator Ted Kaufman. Der leitet jetzt das Übergangsteam des gewählten Präsidenten. Und ist praktischerweise derjenige, der das Gesetz mitgeschrieben hat, mit dem seit 2016 dieser Übergang von einer Präsidentschaft auf eine andere geregelt ist.

Die Übergabe ist jetzt schon eine diffizile Angelegenheit. Mit einem amtierenden Präsidenten, der den Sieg von Biden einfach nicht anerkennen will. Und zugleich der Notwendigkeit, Bidens Präsidentschaft in die Spur zu bringen.

Biden muss bis zu seiner Amtsübernahme am 20. Januar eine komplett neue Administration an den Start bringen. Mehrere Tausend Stellen gilt es zu besetzen. Und natürlich muss das Ganze irgendwie finanziert werden. Um all das kümmert sich jetzt der 81 Jahre alte Ingenieur und Kurzzeit-Senator Ted Kaufman. Er ist für die kommenden zweieinhalb Monate der mächtigste Mann im Biden-Team - nach Biden natürlich.

Kaufmans Aufgabe wird es auch sein, schon in der Personalauswahl Bidens Versprechen zu verwirklichen, mit ausgestreckter Hand auf politische Gegner zuzugehen. Was auch bedeutet, dass nicht jeder Republikaner um sein Amt fürchten muss, solange er die Anforderungen erfüllt. Manch langjähriger Mitarbeiter der Administration dürfte eine gute Erinnerung an Kaufmann haben. Als Senator hatte er die schöne Angewohnheit, einmal in der Woche eine Rede zu halten, in der er einen verdienten Mitarbeiter der Administration für gute Arbeit würdigte.

Kaufman und Biden sind sich so vertraut, wie es sonst wohl nur engste Freunde sind. Als sich Biden Anfang 1972 aufmachte, Senator für den Bundesstaat Delaware zu werden, stieß Kaufman zu ihm. Er sollte einer von Bidens treuesten Weggefährten werden. Der noch junge Biden gewann die Vorwahl in dem Jahr überraschend gegen einen erfahrenen Amtsinhaber. Und dann auch erwartungsgemäß die Hauptwahl. Biden machte Kaufman zunächst zum Chef seines Büros in Delaware. Und 1976 dann zu seinem Stabschef in Washington. Kaufman behielt den Job fast 20 Jahre lang, bevor er 1995 ausstieg.

Im Januar 2009 startete Kaufman kurz nach der Finanzmarktkrise eine kurze, aber effektive politische Karriere. Barack Obama hatte im Herbst zuvor mit Joe Biden an seiner Seite die Präsidentschaft gewonnen. Biden musste sein Mandat als Senator aufgeben. Und sicher nicht ohne Bidens Zutun wurde Ted Kaufmann dazu berufen, die verbleibenden zwei Jahre von Bidens Amtszeit im Senat auszufüllen.

Der moderate Demokrat ist auf die Winkelzüge des Trump-Lagers vorbereitet

Kaufman hat Freunde in fast allen politischen Lagern. Linke zollen ihm Respekt, weil er nach der Finanzmarktkrise einige scharfe Gesetze gegen die Geldindustrie auf den Weg gebracht hat. Er gilt zudem als moderater Demokrat und Institutionalist, der fest daran glaubt, dass ein funktionierender Staatsapparat ein Segen für das Volk ist.

Einen Ruf für die Ewigkeit aber erwarb sich Kaufman mit dem Gesetz, das die Übergangsphase zwischen zwei Präsidentschaften regelt. Er hat es zusammen mit seinem republikanischen Kollegen Michael Leavitt ausgehandelt. Es trägt beider Namen: "Edward 'Ted' Kaufman and Michael Leavitt Presidential Transitions Improvements Act".

Das Gesetzt regelt unter anderem, dass ein unterlegener Amtsinhaber nicht erst seine Niederlage eingestehen muss, bevor das Übergangsteam seines gewählten Nachfolgers loslegen kann. Bidens Leute haben deshalb jetzt schon Räume, Computer und Telefone zur Verfügung gestellt bekommen.

So war es zumindest angekündigt. Das Weiße Haus aber hat inzwischen offenbar die Order ausgegeben, nicht mit Bidens Team zusammenzuarbeiten. Weshalb sich jetzt die zuständige oberste Chefin der Bundesliegenschaften, Emily Murphy, weigert, Papiere zu unterzeichnen, die 6,3 Millionen Dollar Unterstützung für den Übergangsprozess freigeben und Bidens Team Zugang zu Informationen der Administration garantieren würden. Ted Kaufmann dürfte auf solche Winkelzüge vorbereitet sein. Wie gesagt: Er hat das Gesetz geschrieben.

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