Abschied vom Kaiser Akihito beendet die Heisei-Zeit

Japans Kaiser verlässt den Chrysanthemen-Thron und macht Platz für seinen Nachfolger. Die Zeremonie folgt einer strengen Choreografie, von der der scheidende Regent nur einen Moment abweicht.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Der japanische Kaiser Akihito ist am Dienstag wenige Minuten nach fünf Uhr nachmittags zurückgetreten. In einer kurzen Zeremonie im Palast in Tokio erklärte er seine "Pflichten als Kaiser" für beendet. Er habe, seit er "den Thron vor dreißig Jahren bestieg, den Respekt und das Vertrauen des japanischen Volkes" für seine Interpretation der Rolle als "Symbol des Staates" gespürt. Dafür sei er tief dankbar. Und glücklich. Er und Kaiserin Michiko wünschen aufrichtig, dass "die Reiwa-Ära, die morgen beginnt, stabil und erfolgreich werde; und ich bete mit ganzem Herzen für den Frieden und das Glück aller Menschen in Japan. Und draußen in der Welt."

Zuvor hatte Premier Shinzo Abe ihn im Namen des japanischen Volkes im Matsu-no-Ma-Saal des Palastes begrüßt. Der Regierungschef dankte dem Tenno dafür, dass er "stets die Sorgen und Freuden des Volkes geteilt" habe. Der Kaiser trug einen Frack, die Kaiserin ein langes, weiß schimmerndes Kleid. An der schlichten, steifen Zeremonie nahmen Kronprinz Naruhito und Kronprinzessin Masako teil. Naruhito wird den Chrysanthementhron am Mittwochmorgen besteigen. Dazu sind Mitglieder der kaiserlichen Familie geladen, die Vorsitzenden beider Kammern des Parlaments, die Obersten Richter und mehrere Minister. Zusammen etwa 300 Leute.

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Zum Auftakt hatten Höflinge die kaiserlichen Regalien in den Saal getragen, das Schwert und das Krummjuwel, dazu die Siegel des Tenno. Die Regalien waren verpackt in "Furoshiki", so nennt man jene Tücher, in welche Japaner Gegenstände einwickeln, insbesondere Wertsachen, aber auch Geschenke - und ihre Lunchbox.

Schon am Dienstagvormittag hatte Akihito am Kashikodoroko-Schrein auf dem Gelände des Palasts symbolisch seine Ahnen über seinen Rücktritt unterrichtet. Er war gekleidet im Stil der Heian-Zeit, der Periode von Ende des achten bis Ende des zwölften Jahrhunderts - vielleicht die glücklichste Epoche der japanischen Geschichte. Ein Schrein ist keine Grabstätte, er ehrt nur die Seelen der Eingeschreinten, bietet ihnen ein Heim. Im Kashikodokoro ist auch die Sonnengöttin Amaterasu eingeschreint, die als Urahnin des Kaiserhauses gilt. Danach besuchte der Tenno an diesem regnerisch-kalten Aprilmorgen, dem letzten Tag der Heisei-Zeit, noch zwei Schreine auf dem Areal des Palastes, die weiteren Shinto-Gottheiten gelten. Kronprinz Naruhito wird am Mittwoch nach seiner Inthronisierung denselben Schreinen seine Reverenz erweisen.

Mit der letzten Geste, die der abgetretene Kaiser im Matsu-no-Ma-Saal machte - der einzigen, die nicht streng choreografiert war -, zeigte er unbewusst noch einmal seine Wärme und Menschlichkeit. Auf den Wink eines Kammerdieners trat er die zwei Stufen von der Bühne herunter. Er sollte den Saal nun verlassen, indem er direkt hinter den Höflingen her schritt, die das Schwert in seinem Furoshiki trugen. Hinter dem Jojo, so sein neuer Titel, sollten das Päckchen mit dem Krummjuwel, dann seine Siegel und dahinter die Kaiserin folgen. Akihito jedoch wartete an der Stufe. Er reichte Kaiserin Michiko die Hand, um ihr beim Hinabsteigen zu helfen. Erst dann folgte er dem Schwert. In der Tür blieb er noch einmal stehen, blickte zurück, um zu sehen, ob Michiko ihm folgte.

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