Japan:Harte Linie

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Japan: Shinzo Abe bei der abschließenden Pressekonferenz des G-7-Gipfels.

Shinzo Abe bei der abschließenden Pressekonferenz des G-7-Gipfels.

(Foto: Geoff Robins/AFP)

Premierminister Shinzo Abe hat sein Land in der Korea-Frage vor allem durch seinen Zickzack-Kurs isoliert. Damit hat das Land seine gute Position als möglicher Vermittler in der Korea-Frage verspielt.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Auf dem Weg zum G-7-Gipfel in Charlevoix hatte Japans Premier Shinzo Abe im Weißen Haus einen Zwischenhalt eingelegt. Er bat den US-Präsidenten Trump einmal mehr, sich bei Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un für jene Japaner einzusetzen, die einst von Agenten Pjöngjangs verschleppt worden waren. Mit demselben Anliegen war er im April schon einmal vorstellig geworden; und vor dem innerkoreanischen Gipfel auch beim Präsidenten Südkoreas, Moon Jae-in.

Zum Hintergrund: Nordkorea entführte in den späten 1970er-Jahren knapp zwei Dutzend Japaner (und viele Bürger anderer Länder) nach Pjöngjang. Sie sollten vor allem helfen, Spione auf Auslandseinsätze vorzubereiten. Kims Vater Kim Jong-il hat das 2002 gegenüber dem japanischen Premier Junichiro Koizumi zugegeben und fünf Verschleppte freigelassen. Japans Regierung verlangt die Freilassung weiterer Opfer. Pjöngjang behauptet, diese seien nicht mehr am Leben. Abe, schon damals ein Nordkorea-Hardliner, glaubt das nicht.

Der Gipfel Koizumis mit Kims Vater, der damals alle überraschte, war von Vize-Außenminister Hitoshi Tanaka in monatelanger Geheimdiplomatie vorbereitet worden. Die sogenannte "Erklärung von Pjöngjang", die die beiden unterschrieben, zeichnete den Weg zur Normalisierung ihrer Beziehungen. Damit hatte Japan sich eine günstige Position für die Lösung des Nordkorea-Konflikts gesichert.

Doch auf Koizumi folgte 2006 Abe, der stets sagt, die Rückkehr der Verschleppten sei eine seiner wichtigsten Aufgaben. Bei den Gesprächen zur Denuklearisierung Nordkoreas in Peking ließ er Japan aus der Phalanx von Washington, Peking, Seoul und Moskau ausscheren, weil diese das tragische Schicksal einiger Japaner weniger wichtig fanden als die nukleare Abrüstung. Damit hat Tokio sich isoliert.

Als Trump vor Monaten dem "Raketenmann" Kim drohte, applaudierte Abe lautstark. Zuweilen klang der Japaner sogar kriegerischer als der US-Präsident selbst. Dann wurde er vom plötzlichen Tauwetter zwischen Seoul und Pjöngjang überrumpelt - und erst recht von Trumps Bereitschaft zum Gipfeltreffen mit Kim.

Als Trump das Treffen absagte, pflichtete Abe ihm sofort bei. Als Trump ihn wieder ansetzte, war Abe auch wieder dafür. Damit sabotierte der Japaner seine ohnehin angeschlagene Glaubwürdigkeit und isolierte Japan geopolitisch zusätzlich. Zumal er weiter "maximalen Druck" auf Pjöngjang fordert.

Wie seine ultraharte Linie helfen soll, verschleppte Japaner freizubekommen, die womöglich noch am Leben sind, hat Abe nie erklärt. Er nutzt die Verschleppten und Nordkoreas Raketentests regelmäßig für seine eigenen innenpolitische Zwecke. Tetsuo Kotani vom Japan-Institut für internationale Beziehungen sagt, in Abes Kabinett gebe es keinen Konsens über die Nordkorea-Politik. Pjöngjang hat auch Japan einen Gipfel angeboten, doch zugleich attackiert Nordkoreas Propaganda-Apparat Abes harte Linie.

Tanakas Vorbereitung von Koizumis Gipfel mit Kims Vater im Jahr 2002 war ein Musterbeispiel der stillen Diplomatie. Über Abes Bittgänge zu Trump und Moon sagte der 71-Jährige kürzlich: "Ich finde das peinlich, Japan muss seine Probleme selber lösen."

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