Jahrestag der Revolution:Viele Tote bei Protesten in Ägypten

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Egyptians mark anti-Mubarak revolt anniversary

Jahrestag der Revolution: Ein Anhänger der ägyptischen Armee und General al-Sissi in Kairo

(Foto: dpa)

Über Kairo kreisen Militärhubschrauber, in der Stadt setzt die Polizei Tränengas ein. Am dritten Jahrestag der Revolution in Ägypten wurden in Kairo Dutzende Menschen getötet. Mehr als tausend Demonstranten wurden festgenommen. Übergangspräsident Mansur gibt eine Erklärung zu den geplanten Wahlen ab.

Bei den Ausschreitungen am dritten Jahrestag der Revolution in Ägypten sind am Samstag mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 250 Menschen wurden in Kairo und anderen Orten verwundet, wie das Gesundheitsministerium weiter mitteilte. Am Samstagabend war zunächst von 29 Toten die Rede gewesen.

Tausende Anhänger hatten am Samstag Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sissi in Kairo gefeiert. Bei Gegendemonstrationen kam es zu teils schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Die Polizei beschoss Demonstranten mit Schrot und Tränengas. Nach Angaben des Innenministeriums wurden auch mehrere Polizisten verletzt. 1079 Personen mit Gewehren, Brandsätzen oder anderen Waffen seien festgenommen worden.

Die Demonstranten skandierten Slogans wie "Nieder mit dem Regime", bevor sie unter einem Hagel von Tränengasgranaten in Nebenstraßen flohen. Die Anhänger des im Juli gestürzten Präsidenten Mursi hatten für den Jahrestag des Beginns der Revolution vor drei Jahren zu Kundgebungen aufgerufen. Am 25. Januar 2011 begann in Ägypten der Aufstand gegen die Regierung, 18 Tage später wurde Ex-Präsident Hosni Mubarak gestürzt.

Viele Tote bei Zusammenstößen

Am frühen Samstagmorgen hatten Männer von einem Motorrad im Stadtteil Ain Schams einen Sprengsatz gegen ein Polizeigebäude geworfen. Dabei sei niemand verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. Am Freitag waren bei Bombenanschlägen in Kairo sechs Menschen getötet und fast 100 weitere verwundet worden. Bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften kamen daraufhin landesweit 14 Menschen ums Leben.

Vor den Protesten hatte in Kairo am Samstagmorgen gespannte Ruhe geherrscht. Die Straßen waren menschenleer, über der Stadt kreisten Militärhubschrauber. Schon am Vortag hatten Armeepanzer den Tahrir-Platz hermetisch abgeriegelt. Er war vor drei Jahren das Epizentrum der Massenproteste gegen Langzeitherrscher Husni Mubarak.

Nachdem das Militär den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Juli gestürzt hatte, kommt es immer wieder zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. Am gefährlichsten ist die Lage auf der Sinai-Halbinsel. Die Regierung macht Mursis Muslimbruderschaft dafür verantwortlich. Sie hat diese inzwischen offiziell als Terrororganisation eingestuft und geht hart gegen sie vor.

Bei einem jüngsten Angriff auf einen Autobus des ägyptischen Militärs auf dem Sinai sind mindestens drei Soldaten getötet worden. Elf weitere Uniformierte wurden verletzt, als Vermummte den Bus aus dem Hinterhalt attackierten, teilte ein Armeesprecher in Kairo mit. Der Norden und das Innere des Sinai werden von islamistischen Milizen und bewaffneten Banden dominiert. Die ägyptischen Sicherheitskräfte bekommen die Lage dort nicht in den Griff.

Präsidentenwahl soll vor Parlamentswahl stattfinden

Ägypten wird nach der Entmachtung der Islamisten durch das Militär nun zuerst einen neuen Präsidenten und erst dann ein neues Parlament wählen. Das erklärte Übergangspräsident Adli Mansur in einer Fernsehansprache, ohne Termine für die Abstimmungen zu nennen. Die neue Verfassung legt es in Mansurs Hand, die Reihenfolge der Neuwahlen zu bestimmen. Wie er in der Ansprache weiter sagte, wird die Hohe Wahlkommission alles Weitere regeln.

Als aussichtsreichster Kandidat für das höchste Staatsamt gilt Militärchef Abdel Fattah al-Sisi, der auch bei Mursis Sturz Regie geführt hatte. Er hat seine Kandidatur allerdings noch nicht erklärt.

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