Rettungsschiff "Alan Kurdi" "Soll sie doch nach Hamburg fahren"

Aufnahmen von Bord der "Alan Kurdi".

(Foto: dpa)
  • Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit 64 Geflüchteten an Bord sucht einen sicheren Hafen. Sie gehört der deutschen Organisation Sea-Eye.
  • Italien verweigert diesen. Eine Fahrt in italienische Gewässer sei eine Gefährdung der "nationalen Sicherheit".
  • Italiens Innenminister Salvini und das italienische Außenministerium fordern nun Deutschland zum Handeln auf.

Die italienische Regierung hat Deutschland aufgefordert, die Verantwortung für das Schiff einer deutschen Hilfsorganisation mit geretteten Migranten an Bord zu übernehmen. Die "Alan Kurdi" der Regensburger Organisation Sea-Eye hatte Mitte der Woche im Mittelmeer 64 Migranten aufgenommen und sucht seitdem einen Hafen zum Anlegen.

Das Schiff dürfe nicht in italienische Hoheitsgewässer fahren, ein Verstoß dagegen gefährde die nationale Sicherheit, hieß es am Donnerstag in dem Brief des Außenministeriums an den deutschen Botschafter in Rom. Es sei Aufgabe des Flaggenstaates, dafür zu sorgen, dass das Schiff die Vorschriften einhalte.

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Die "Alan Kurdi" fährt unter deutscher Flagge. Sie habe Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen, erklärte Sea-Eye. Die Einsatzleitung sei im engen Austausch mit dem Auswärtigen Amt in Berlin. An Bord sind auch zwölf Frauen, ein Kind und ein Baby. Hinzu kommen 17 Crewmitglieder. Die Besatzung twitterte Bilder von Bord und schrieb, der Wind werde stärker.

Auch Italiens Innenminister Matteo Salvini schob Deutschland die Verantwortung für die Sea-Eye zu. "Soll sie doch nach Hamburg fahren", zitieren italienische Medien Salvini. Auf seinem Twitteraccount verbreitete der Innenminister ein Schreiben, das dem Schiff den Zugang zu italienischen Gewässern verwehrt.

"Der 'Alan Kurdi' steht eine Odyssee unbekannter Dauer bevor", heißt es in der Mitteilung des italienischen Außenministeriums. Auch Malta will das Schiff nicht anlegen lassen. Italien hatte wie Malta NGOs in den vergangenen Monaten immer wieder das Anlegen ihrer Schiffe mit geretteten Migranten verwehrt. Teilweise wurden sie tagelang im Mittelmeer blockiert, bis eine Verteillösung mit anderen europäischen Staaten für die Geretteten gefunden wurde. Auf einen langfristigen Mechanismus dafür können sich die EU-Staaten seit Jahren nicht einigen.

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