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Italien:Plastikgeld

Ein Automat in Rom tauscht Pfandflaschen gegen Fahrscheine.

Die Römer und ihr öffentlicher Nahverkehr, das war noch nie eine sehr glückliche Beziehung. Über nichts klagen sie mehr als über dauerverspätete, alte Busse und ständig stockende, überfüllte, übel riechende Straßen- und U-Bahnen. Vielleicht noch über den Abfall? Und so war es eine gewagte, aber auch geniale Idee, als die Stadtverwaltung und ihre ungeliebte Transportgesellschaft Atac im vergangenen Sommer in drei Metro-Stationen probehalber Automaten aufstellten, die das eine mit dem anderen verbanden: Für dreißig leere PET-Flaschen gibt es dort eine Fahrkarte umsonst. "+Ricicli+Viaggi", heißt die Initiative, etwa: Je mehr du recycelst, desto mehr reist du. In Europa ist das eine Premiere.

In der neuen Haltestelle "San Giovanni" der Linie C steht eine der Maschinen. Sie sind etwa so groß wie Getränkeautomaten, entwickelt werden sie von einer Mailänder Firma. Und es geht ganz einfach: Man lädt eine App herunter, aktiviert den QR-Code, hält das Handy dann an das Gerät, damit es einen erkennt. Dann gibt man die mitgebrachten PET-Flaschen in eine Öffnung, ganz behutsam, eine nach der anderen, mit dem Barcode des Flaschenaufklebers nach oben. Sie können klein sein, 0,25 Liter, oder groß, bis zwei Liter. Aber formvollendet müssen sie sein, nicht zerquetscht, sonst registriert die Maschine sie nicht.

Für jede fachgerecht entsorgte Flasche gibt es einen Ökobonus von fünf Cent auf die App, das Guthaben ist beliebig kumulierbar. Da Atac ihre Einzeltickets für 1,50 Euro verkauft, gibt es also für dreißig Flaschen eine digitale Fahrkarte. Als Virginia Raggi, Roms Bürgermeisterin von den Cinque Stelle, die Initiative lancierte, war sie so begeistert, dass man hätte meinen können, sie habe gerade alle Probleme der Stadt gelöst. "Die Maschine isst die Plastikflaschen und gibt dafür Kredit für den Erwerb eines Tickets: So einfach funktioniert die Kreislaufwirtschaft", sagte sie. Der Triumph war Raggi zu gönnen. Sie hatte bisher nicht viel Glück bei der Verwaltung der Stadt, weder mit dem Müll noch mit dem Transportwesen.

Offenbar funktioniert das Modell ganz wunderbar - vielleicht auch, weil es in Italien anders als in Deutschland kein Pfandsystem für PET-Flaschen gibt. "Jenseits aller unserer Erwartungen", sagt Pietro Calabrese, der Stadtrat für "Die Stadt in Bewegung", der offizielle Titel von Roms zuständigem Ressort für Transport und Verkehr. In den ersten elf Wochen wurden in den drei Automaten 750 000 Flaschen entsorgt - für den Gegenwert von 25 000 Fahrkarten. Ein durchschlagender Erfolg sei das, man werde nun weitere Geräte aufstellen. "Die Bürger fordern es, sie sind enthusiastisch", sagt Calabrese. In der Moskauer Metro gibt es übrigens Automaten, die für dreißig Kniebeugen eine Fahrkarte auswerfen. Das ist dann wohl Kreislaufwirtschaft im engsten Sinn.

Ganz beispiellos ist das römische Modell nicht. Es gibt es schon in Istanbul, Peking, im indonesischen Surabaya und im indischen Mumbai. Solche Novellen würde man ja eher aus herkömmlichen Modellstädten erwarten: Stockholm etwa, Kopenhagen, München, Zürich, vielleicht noch Tokio und Singapur. Den Römern wäre es allerdings lieber, die Busse kämen stattdessen etwas häufiger und dann noch pünktlich.