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Italien:Europas Miesredner

Bundeskanzlerin Angela Merkel will Italien helfen - trotzdem protestieren die Populisten. Sie hoffen, so wieder ins Spiel zu kommen.

Von Oliver Meiler

Eigentlich ist Angela Merkel gerade die beste Verbündete Italiens. Ihr Vorstoß für einen Wiederaufbaufonds, der jenen Ländern auf die Beine helfen soll, die von Corona besonders hart getroffen wurden, ist auch eine epochal solidarische Handreichung für das hoch verschuldete Italien. Er sieht Milliardenzuschüsse vor statt nur Kredite, eine echte Lebenslinie. Trotzdem braucht es nie viel, und die Stimmung kippt wieder.

Neben diesem Fonds, den Merkel und ihr Verbündeter Emmanuel Macron noch an den "Sparsamen" in der EU vorbeibringen müssen, gibt es auch die Kreditofferte des Europäischen Stabilitätsmechanismus, des ESM. Im Italienischen nennt er sich MES und ist für viele ein Schimpfwort. Den schlechten Ruf behält er selbst in seiner neuen Ausführung - ganz ohne Auflagen und mit marktunüblich tiefen Zinsen: Italien würde 36 Milliarden Euro erhalten, und zwar fast umsonst. Die Ablehnung der Cinque Stelle und der radikalen Rechten ist ein Widersinn, gerade in diesen Zeiten.

Als nun Merkel im SZ-Interview sagte, das Angebot sei da, um genutzt zu werden, heulten die Souveränisten und Populisten auf, als stünde die Unabhängigkeit des Landes auf dem Spiel. Das mag irrwitzig sein, doch politisch ist es bedeutsam. Die Miesredner Europas hoffen, so wieder ins Spiel zu kommen.

© SZ vom 29.06.2020

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