Israel:Vorgeführt und ausgetrickst

Benny Gantz hätte es wissen können.

Von A. Föderl-Schmid

Benny Gantz hätte es wissen können. Frühere Mitstreiter von Benjamin Netanjahu wie Ehud Barak und Avigdor Lieberman haben ihn gewarnt: Israels Premierminister hält nicht, was er verspricht. Im Vertrauen darauf, dass Netanjahu es diesmal angesichts der Herausforderungen durch das Coronavirus tatsächlich ernst meint mit Zusagen und eine große Koalition wirklich will, hat Gantz alle verprellt: Seine Verbündeten im blau-weißen Bündnis und seine Wähler, die seinem Versprechen bei drei Wahlen geglaubt haben: Nie werde er mit einem Angeklagten in einer Regierung sitzen.

Netanjahu ist wegen Betrugs, Bestechlichkeit und Untreue angeklagt. Tricksen gehört zu seinem politischen Geschäft, er hält sich auch damit seit mehr als 13 Jahren an der Macht. Sein Prozess wurde wegen der Corona-Krise verschoben, und Netanjahu nützt die Zeit in seinem Sinne.

Präsident Reuven Rivlin verwehrt Gantz eine Verlängerung des Mandats zur Regierungsbildung nach vier Wochen Verhandlungen. Kommt es zur vierten Wahl, hat sich die Ausgangsposition für Netanjahu verbessert: Die Oppositionsparteien sind gespalten, Gantz steht als Umfaller da und hat seine Glaubwürdigkeit selbst verspielt. Der ehemalige Armeechef hat sich vom gewieften Langzeitpremier vorführen und austricksen lassen.

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